Die Bürger der türkischen Metropole blicken mit großer Unruhe auf ihre Häuserfassaden und Balkone, an denen sich ein außergewöhnliches Naturphänomen abspielt. In mehreren Stadtteilen Istanbuls sorgen ungewöhnlich viele Riesenheuschrecken für massives Aufsehen und lebhafte Diskussionen. Wie das Nachrichtenportal Hürriyet Daily News berichtet, tauchen die bis zu 20 Zentimeter großen Insekten auf Balkonen, an Hausfassaden und sogar auf geparkten Autos im gesamten Stadtgebiet auf. Besonders betroffen sind die an weitläufige Grünflächen angrenzenden Stadtteile Arnavutköy, Sultanbeyli, Beykoz und Maltepe. In den sozialen Netzwerken teilen besorgte Anwohner bereits viertelstündlich Fotos und Videos der auffällig riesigen Krabbeltiere.
Verunsicherte Familien halten Türen und Fenster geschlossen
In den betroffenen Wohngebieten herrscht bei vielen Bürgern Ausnahmezustand im Alltag, da die schiere Größe der Tiere Abscheu und Ängste auslöst. Ein Bewohner aus Arnavutköy schilderte die angespannte Lage in den eigenen vier Wänden. „Meine Frau und die Kinder fühlen sich durch die Heuschrecken sehr verunsichert“, erklärte Erdal Sayan stellvertretend für viele Anwohner. Weiter berichtete Erdal Sayan, dass seine Familie die Fenster deshalb mittlerweile dauerhaft geschlossen halte, um das Eindringen der unliebsamen Gäste in die Wohnräume zu verhindern.
Hitzewellen und Thrakien-Ernte als Ursache für die Invasion
Um Panik in der Bevölkerung vorzubeugen, haben Wissenschaftler und Biologen umgehend Aufklärungsarbeit geleistet und die Gründe für das gehäufte Auftreten analysiert. Experten führen das verstärkte Auftreten primär auf die Kombination aus extrem hohen Sommertemperaturen und der laufenden Erntesaison im benachbarten Thrakien zurück. Durch die Erntearbeiten auf den Feldern verlieren die Insekten ihren natürlichen Lebensraum und weichen in die Stadtgebiete aus. Zudem lockt künstliches Licht in den Abendstunden die Tiere gezielt an, wenn Bewohner ihre Fenster zum Durchlüften öffnen.
Harmlos für Menschen: Experten mahnen zum Artenschutz
In Bezug auf die genaue Klassifizierung der Tiere geben die Fachleute jedoch Entwarnung für die Gesundheit der Bevölkerung. Nach Angaben von renommierten Entomologen handelt es sich bei den aufgetauchten Exemplaren vor allem um die Arten Saga ephippigera sowie die Ägyptische Heuschrecke. Beide Arten gelten als für den Menschen völlig ungefährlich und beißen nicht. Fachleute raten deshalb nachdrücklich davon ab, die Tiere zu töten, da sie als Nützlinge eine extrem wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht spielen und unter anderem andere Schädlinge dezimieren.
