Das Leben in der türkischen Megacity Istanbul hat sich im Spätsommer erneut spürbar verteuert und belastet die Geldbörsen der Einwohner sowie Urlauber gleichermaßen. Nach den aktuellsten Erhebungen der Industrie- und Handelskammer Istanbul (ITO) kletterten die Einzelhandelspreise im August im Vergleich zum Vormonat um 1,66 Prozent nach oben. Auf Jahressicht summierte sich die Inflationsrate in der Metropole damit auf beachtliche 34,96 Prozent. Auch für Touristen macht sich der Preisanstieg bemerkbar, da in der von der Kammer geführten Kategorie „Restaurants und Hotels“ die Preise im August um 0,72 Prozent gegenüber dem Vormonat anzogen, womit dieses Segment allerdings noch spürbar unter der allgemeinen Teuerungsrate der Stadt blieb. Wie die Wirtschaftszeitung Dünya berichtet, analysierten die Experten der Kammer die Preisentwicklung im Detail und ordneten die stärksten Treiber ein: „Mit einem jährlichen Anstieg von fast 35 Prozent verharrt die Teuerung in Istanbul auf einem enorm hohen Niveau. Im August wirkten sich vor allem saisonale Effekte sowie staatlich regulierte Preisanpassungen aus. Insbesondere in den Sektoren Bildung, Wohnen, Verkehr sowie bei Tabak- und Alkoholwaren haben punktuelle Preiserhöhungen zu massiven Ausschlägen geführt.“
Eklatanter Preissprung im Bildungssektor und Verteuerung beim Wohnen
Den mit Abstand drastischsten monatlichen Preisschock verzeichnete im August der Bildungssektor, in dem die Kosten im Zuge des bevorstehenden Schuljahresbeginns um astronomische 17,28 Prozent in die Höhe schossen. Mit deutlichem Abstand folgten auf den weiteren Rängen alkoholische Getränke und Tabakwaren mit einem Plus von 8,22 Prozent, der Bereich Wohnen mit 2,32 Prozent sowie der Verkehrssektor mit 1,43 Prozent Aufschlag. Darüber hinaus registrierte die ITO in fast allen weiteren Kategorien kontinuierliche Teuerungen: Hausrat verteuerte sich um 1,41 Prozent, verschiedene Waren und Dienstleistungen stiegen um 1,35 Prozent, Freizeit und Kultur zogen um 1,11 Prozent an und der Bereich Kommunikation legte um 0,86 Prozent zu. Bei Lebensmitteln und alkoholfreien Getränken dämpften saisonale Effekte den Anstieg auf moderate 0,20 Prozent.
Entlastung nur bei Bekleidung und Stagnation im Gesundheitswesen
Einen leichten Preisrückgang gab es im August lediglich in einem einzigen Segment zu verzeichnen: Im Bereich Bekleidung und Schuhe sanken die Preise saisonbedingt minimal um 0,08 Prozent. Im Gesundheitssektor verzeichneten die Statistiker im Monatsvergleich überhaupt keine Veränderung. Die Industrie- und Handelskammer Istanbul betonte in ihrer Bilanz abschließend die Relevanz dieser Entwicklungen für den Alltag der Bürger: „Der leichte Preisrückgang bei Bekleidung ist auf klassische Rabattaktionen zum Saisonende zurückzuführen. Bei den Lebensmitteln hat das sommerliche Angebot eine noch höhere Teuerung verhindert. Dennoch bleiben die stark gestiegenen Fixkosten für Bildung und Wohnen die Haupttreiber, die den Lebensunterhalt in der Metropole extrem verteuern.“
