Die Investitionsstrategie türkischer Anleger vollzieht derzeit eine tiefgreifende und historisch gewichtige Kehrtwende. Immer mehr privates und institutionelles Kapital strömt über die Landesgrenzen hinweg in ausländische Immobilienmärkte. Wie aus dem aktuellen Doğrudan Yatırımlar Bülteni der renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts TEPAV hervorgeht, kletterten die Immobilieninvestitionen türkischer Staatsbürger im Ausland im zweiten Quartal 2026 auf die Rekordsumme von 2,6 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert liegt um das Zehnfache über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Das Wirtschaftsinstitut TEPAV analysierte die treibenden Motive hinter dieser gewaltigen Entwicklung präzise und stellte fest: „Hauptursachen für diesen massiven Kapitalabfluss sind die deutlich verlängerten Amortisationszeiten auf dem heimischen türkischen Immobilienmarkt sowie die gezielte Suche der Anleger nach stabilen Renditen in harten ausländischen Währungen. Die Streuung des eigenen Vermögens über internationale Sachwerte hat sich zu einem zentralen Pfeiler der privaten Vorsorge entwickelt.“
Golden Visa und Steuerprivilegien treiben Kapitalflucht an
Zusätzlichen Rückenwind erhält die weltweite Kauftour türkischer Investoren durch attraktive regulatorische Anreize im Ausland. Allen voran locken die begehrten Golden-Visa-Programme europäischer Staaten sowie extrem lukrative Steuervorteile im Emirat Dubai finanzstarke Käufer an. Im Gefüge der gesamten türkischen Direktinvestitionen im Ausland behauptete der Immobiliensektor im zweiten Quartal 2026 unangefochten die Spitzenposition mit einem Anteil von 44,8 Prozent. Weitere 14,2 Prozent flossen direkt in das internationale Baugewerbe. In der Folge schlug die gesamte Kapitalbilanz der Türkei ins Minus um: Im zweiten Quartal stand ein Nettoabfluss bei den Direktinvestitionen von 0,9 Milliarden US-Dollar zu Buche, während im Vorjahreszeitraum noch ein Nettozufluss in identischer Höhe verzeichnet werden konnte. Den 1,6 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen in die Türkei standen im selben Zeitraum 2,5 Milliarden Dollar an türkischen Investitionen im Ausland gegenüber.
Ausländische Nachfrage in Istanbul und Antalya kühlt spürbar ab
Parallel zum Rekordhunger türkischer Anleger im Ausland kühlt das Interesse internationaler Käufer am heimischen Immobilienmarkt spürbar ab. Im zweiten Quartal 2026 wurden in der Türkei lediglich 4.918 Wohnungen an Ausländer verkauft, was einem Rückgang um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Mit einem Anteil von 43 Prozent verteidigte die Megacity Istanbul ihre Position als attraktivster Markt, gefolgt von der Urlauberhochburg Antalya mit 32 Prozent. Die Liste der ausländischen Käufer führten weiterhin russische Staatsbürger mit 912 erworbenen Immobilien an, gefolgt von Investoren aus dem Iran mit 395 Wohnungen und der Ukraine mit 347 Einheiten. Während der Inbound-Markt damit stetig verhaltener agiert, verlagern türkische Anleger Milliarden ins Ausland.
