Die US-Ratingagentur Fitch hat am Freitag die Kreditwürdigkeit der Türkei auf ihrer aktuellen Stufe bestätigt, dies jedoch gleichzeitig mit deutlichen Mahnungen vor politischen Risiken und einer anhaltend extrem hohen Teuerungsrate verknüpft. Die Langfristnote für Fremdwährungsschulden verbleibt somit bei „BB-“, während der Gesamtausblick weiterhin als „stabil“ eingestuft wird. Wie aus einem aktuellen Bericht von Milliyet hervorgeht, verdeutlichten die Analysten der Bewertungsorganisation die strukturellen Schwächen des Landes klar und führten aus: „Begrenzt wird die Bonität durch die hohe Inflation der Vergangenheit, ein niedriges Niveau externer Liquidität im Vergleich zum hohen Finanzierungsbedarf sowie eine schwache Regierungsführung.“ Besonders kritisch bewerten die Experten rückblickend vor allem direkte politische Eingriffe in die Geldpolitik, welche in den vergangenen Jahren immer wieder zu besorgniserregender Dollarisierung sowie massiver Kapitalflucht geführt und dadurch das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik schwer beschädigt haben.

Starke Fundamentaldaten mildern das Ausfallrisiko

Trotz der mahnenden Töne heben die Kreditanalysten auch einige robuste Pfeiler der türkischen Volkswirtschaft hervor. Ausdrücklich positiv schlagen sich im Rating die im internationalen Vergleich weiterhin geringe Staatsverschuldung, die breit diversifizierte Wirtschaftsstruktur sowie ein im Median der gesamten „BB“-Ländergruppe überdurchschnittlich hohes Pro-Kopf-Einkommen nieder. Ebenfalls vorteilhaft bewertet die Ratingagentur die nachgewiesene Fähigkeit des Landes, selbst in extremen Stressphasen stets verlässlichen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten zu finden, gepaart mit einem insgesamt widerstandsfähigen Bankensektor.

Trübe Aussichten bei den Preisen und Warnung vor Zinssenkungen

Hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Teuerungsrate zeichnet die Ratingagentur allerdings ein ernüchterndes Bild für Verbraucher und Investoren. Zwar soll die Inflationsrate ausgehend von 32 Prozent im Juni 2026 schrittweise auf 29,5 Prozent bis Ende 2026 und schlussendlich auf 18 Prozent bis zum Jahr 2028 sinken, dennoch bleiben diese Werte nach Einschätzung der Bonitätsprüfer besorgniserregend hoch. Die Analysten stellten klar heraus, dass diese Projektionen nach wie vor „die höchsten unter den von Fitch bewerteten Ländern“ darstellen. Angesichts dieser Ausgangslage mahnten die Experten eindringlich zur Zurückhaltung und warnten öffentlich: „Angesichts der hohen Inflationserwartungen birgt eine verfrühte, starke Lockerung der Geldpolitik das erhebliche Risiko, den Inflations-, Makro- und Außendruck massiv zu verschärfen.“

Erholung der Devisenreserven und Prognosen für das Wirtschaftswachstum

Die straffen geldpolitischen Maßnahmen der türkischen Währungshüter zeigen nach den weltwirtschaftlichen Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit erste Wirkung. Die jüngsten Schritte der Zentralbank – darunter die spürbare Erhöhung der Finanzierungskosten um 300 Basispunkte sowie die konsequente Einführung strengerer Kreditgrenzen – haben nach den Deviseninterventionen zu Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran zu einer schrittweisen Erholung der Notenbankreserven beigetragen. Fitch rechnet fest damit, dass die Bruttoreserven bis Ende 2026 auf 167 Milliarden US-Dollar anwachsen werden. Auf der anderen Seite dürfte sich das Leistungsbilanzdefizit im laufenden Jahr aufgrund einer schwächeren Energie- und Tourismusbilanz um 1,1 Prozentpunkte auf drei Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung ausweiten. Für das reine Wirtschaftswachstum prognostiziert Fitch im Jahr 2026 zunächst einen Rückgang auf 2,8 Prozent, bevor die Dynamik im Jahr 2027 wieder auf 4,4 Prozent anziehen dürfte, wobei das langfristige Potenzialwachstum auf nahezu vier Prozent beziffert wird.

Ausblick auf Wahlen 2027 und Voraussetzungen für ein besseres Rating

Mit Blick auf die politische Agenda der kommenden Jahre erwarten die Experten eine kontrollierte Unterstützung der Konjunktur ohne Rückfall in alte Fehler. Bezüglich der für Ende 2027 anstehenden Wahlen kalkuliert die Ratingagentur mit moderaten staatlichen Anschubszenarien. Fitch erläuterte in der Stellungnahme, dass dieser politische Prozess wohl „einen niedrigeren, aber immer noch positiven realen Leitzins, eine vorübergehende fiskalische Lockerung und Kreditanreize“ beinhalten werde, jedoch eine gefährliche Rückkehr zu unorthodoxen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Vergangenheit ausschließe. Abschließend betonten die Analysten, dass eine künftige Heraufstufung der Note durchaus im Bereich des Möglichen liege, sofern die externen Finanzpuffer nachhaltig gestärkt werden und die Gewissheit wächst, dass der straffe Kurs der Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung dauerhaft beibehalten wird.