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Eine jahrhundertealte Mythe der Architekturgeschichte wird spektakuläre Realität und enthüllt ein faszinierendes Geheimnis unter dem Pflaster Istanbuls. Wie der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy am Donnerstag offiziell bestätigte, erstreckt sich direkt unter dem Weltkulturerbe der Hagia Sophia ein gewaltiges, weitverzweigtes System aus unterirdischen Galerien, Gängen und Tunneln. Einzelne Teilstücke dieses unterirdischen Labyrinths erstrecken sich über eine Gesamtlänge von bis zu neun Kilometern und stammen zu Teilen aus der Spätantike vor rund 1.600 Jahren.

Foto: Pexels/Edi Bejko

Wie das Archäologiemagazin Arkeofili berichtet, verdeutlichte Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy die Dimensionen des Fundes und die Pläne der Regierung in einer ausführlichen Stellungnahme: „Wir haben die Erfassung und Kartierung der historischen Tunnel unter der Hagia Sophia weitgehend abgeschlossen. In den bereits zugänglichen Bereichen laufen derzeit intensive Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten, bei denen wir Schlamm sowie jahrhundertelange Ablagerungen entfernen und die Feuchtigkeit gezielt regulieren. Sobald die Konservierungs- und Sicherungsarbeiten an den unterirdischen Anlagen vollständig abgeschlossen sind, werden wir die Öffnung geeigneter und sicherer Abschnitte für Besucher umgehend prüfen und beurteilen.“ Trotz des Durchbruchs ist der Komplex noch lange nicht vollumfänglich erforscht, da historische Einstürze an mehreren Stellen ein weiteres Vordringen der Fachleute blockieren.

Foto: Pexels/Vedat Zorluer

Umfassendste Restaurierung seit Gründung der Türkischen Republik

Parallel zu den Erkundungen im Untergrund erfährt das Weltmonument auch oberirdisch eine monumentale Sanierung. Minister Mehmet Nuri Ersoy betonte, dass es sich um die umfassendsten Restaurierungs-, Erhaltungs- und Verstärkungsarbeiten an der Hagia Sophia seit der Gründung der modernen Türkischen Republik handelt. Im Rahmen der laufenden Maßnahmen wurden bereits aufwendige Sicherungen an den historischen Sultan-Gräbern, den Nebengebäuden sowie am gesamten Galerieboden erfolgreich abgeschlossen. Zudem sicherten Statiker das nordöstliche Minarett durch gezielte Verstärkungen vor künftigen Erschütterungen.

Foto: Unsplash/Nabil Adham

Arbeiten an der Hauptkuppel laufen bei laufendem Besucherverkehr

Ein besonderer Schwerpunkt des Großprojekts liegt auf der Statik und den Kunstschätzen des Hauptbaus. An der weltberühmten Hauptkuppel werden nicht nur tragende Bauteile nachhaltig verstärkt, sondern gleichzeitig die wertvollen historischen Mosaike minuziös gereinigt und konserviert. Um diesen Prozess zu ermöglichen, wurde im Innenraum eine Spezialplattform errichtet, während ein temporäres Metalldach die Hauptkuppel von außen vor Witterungseinflüssen schützt. Statische Untersuchungen ergaben zudem, dass auch die östliche Halbkuppel dringende Zusatzverstärkungen benötigt, um Mosaike, Wandmalereien und edle Marmoroberflächen dauerhaft zu sichern. Sämtliche Löscharbeiten und Sanierungsphasen sind so konzipiert, dass Gottesdienste und touristische Besichtigungen im Denkmal uneingeschränkt weiterlaufen können.