Der digitale Binnen- und Außenhandel der Türkei bricht sämtliche Rekorde und entwickelt sich zu einer zentralen Stütze der nationalen Wirtschaftskraft. Wie Handelsminister Ömer Bolat am Montag auf dem hochkarätig besetzten E-Commerce-Gipfel in Istanbul bekanntgab, plant die türkische Regierung ihre staatlichen Förderprogramme für den grenzüberschreitenden Online-Export drastisch auf insgesamt 35 Zielländer auszuweiten. Die finanzielle Unterstützung erstreckt sich dabei über gezielte Werbemaßnahmen auf internationalen Marktplätzen, die Abwicklung von Aufträgen sowie die Übernahme von Verkaufsprovisionen. Allein im laufenden Jahr profitierten bereits 134 Unternehmen von staatlichen Subventionen in Höhe von 638 Millionen Türkischen Lira, während sich 15 Firmen einem spezialisierten E-Export-Konsortium anschlossen. Wie die Wirtschaftszeitung Dünya berichtet, untermauerte Handelsminister Ömer Bolat die Dynamik des Sektors mit beeindruckenden Marktzahlen: „Das Gesamtvolumen der E-Commerce-Transaktionen ist im Jahr 2025 um 52,2 Prozent auf über 4,5 Billionen Lira gestiegen. In US-Dollar ausgedrückt entspricht dies einem enormen Wachstum von rund 29 Prozent auf 115 Milliarden Dollar. Der reine Einzelhandels-E-Commerce erreichte ein Volumen von etwa 2,5 Billionen Lira, was einem Plus von 52 Prozent entspricht. Damit machte der Online-Handel im vergangenen Jahr bereits 19,3 Prozent des gesamten Handelsvolumens unseres Landes aus.“
Sechs Milliarden Transaktionen und Durchbruch bei EU-Zollvereinbarungen
Die fortschreitende Digitalisierung zeigt sich auch im Kaufverhalten der Bevölkerung: Die Anzahl der Online-Transaktionen kletterte im Jahr 2025 auf die Marke von rund sechs Milliarden – im Vergleich zu lediglich 1,36 Milliarden im Jahr 2019. Knapp zwei Milliarden dieser Käufe entfielen direkt auf den Einzelhandelssektor. Ende 2025 verzeichnete die Branche 634.000 aktive E-Commerce-Unternehmen, bei denen es sich mehrheitlich um kleine und mittlere Betriebe handelt; drei Viertel davon sind als Einzelunternehmen registriert. Minister Ömer Bolat hob zudem wichtige Verhandlungserfolge auf internationaler Ebene hervor. Im Rahmen von Gesprächen mit der Europäischen Union konnten präferenzielle Sonderregelungen für qualifizierte E-Commerce-Sendungen aus der Türkei durchgesetzt werden, nachdem am 1. Juli neue EU-Zollbestimmungen für Kleinsendungen in Kraft getreten waren. Diese Regelung knüpft jedoch an die strikte Einhaltung moderner Zollformalitäten an.
Verbraucherschutz, Marktregulierung und Reform im Obst- und Gemüsehandel
Parallel zum digitalen Boom intensiviert Ankara die regulatorischen Eingriffe zur Sicherung des fairen Wettbewerbs und zum Schutz der Verbraucher. Ziel sei es, marktbeherrschende Praktiken zu unterbinden, unfaire Bedingungen für Lieferanten zu verhindern und eine breite Anbieterstruktur zu etablieren. Ein neuer Gesetzentwurf für den Obst- und Gemüsehandel liege der Regierungspartei bereits vor und soll in der nächsten Legislaturperiode verabschiedet werden, um der Spekulation und Preissteigerungen entgegenzuwirken. Geplant ist die Stärkung von Genossenschaften durch höhere Rabatte auf Standmieten in Großmärkten und mehr reservierte Verkaufsflächen. Zudem zog das Ministerium eine Bilanz seiner Kontrollmaßnahmen: Zwischen Juni 2023 und August 2026 bearbeiteten Verbraucherschlichtungsausschüsse rund 2,77 Millionen Anträge mit einem Streitwert von 34 Milliarden Lira. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres kontrollierte die Behörde 322.000 Unternehmen sowie 39 Millionen Produkte und verhängte Bußgelder in Höhe von 2,24 Milliarden Lira wegen mangelhafter Ware und unlauterer Preistreiberei.
