Die Automobilindustrie am Bosporus erlebt eine spürbare Renaissance und verschiebt die Marktanteile im Land nachhaltig. Wie aus den aktuellen Branchendaten des Verbands der Automobilindustrie (OSD) hervorgeht, verzeichnen die im eigenen Land gefertigten Modelle eine stark wachsende Beliebtheit bei den Käufern. Der Anteil in der Türkei produzierter Fahrzeuge am heimischen Gesamtmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Im direkten Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterte der Marktanteil dieser sogenannten „yerli“ Fahrzeuge um fünf Prozentpunkte auf nunmehr 34 Prozent, nachdem der Wert im Jahr 2025 noch bei 29 Prozent gelegen hatte. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment der klassischen Personenkraftwagen, bei dem sich der lokale Produktionsanteil von 31 auf 35 Prozent erhöhte. Parallel dazu gab es bei den leichten Nutzfahrzeugen ein Plus von 20 auf 23 Prozent, während die inländischen Hersteller im Lkw-Bereich ihre Dominanz von 59 auf 65 Prozent ausbauten.
Verbandschef sieht klaren Trend in Richtung der 40-Prozent-Marke
Für die Führung der Branchenvereinigung ist diese Entwicklung ein deutliches Aufbruchssignal, wenngleich historische Höchstwerte noch ein Stück entfernt bleiben. Der OSD-Vorsitzende Cengiz Eroldu ordnete die aktuellen Zahlen direkt ein und zog einen Vergleich zu den vergangenen Jahren: „Damals wurde jedes zweite verkaufte Fahrzeug von lokalen Herstellern gefertigt. Diese Werte werden wir vielleicht nicht exakt wieder erreichen, aber wir beobachten einen Aufwärtstrend in Richtung 40 Prozent.“ Mit dieser Aussage verwies Cengiz Eroldu explizit auf das bisherige Rekordjahr 2020, als der Anteil der heimischen Produktion bei stolzen 46 Prozent lag. Als zentrale Treiber für den aktuellen Aufschwung gelten umfangreiche neue Investitionsprojekte großer internationaler Hersteller, die nun schrittweise in die Serienproduktion übergehen.

Millioneninvestitionen von Hyundai, Renault und Tofas treiben den Markt an
Die laufende Produktionsoffensive wird derzeit von mehreren etablierten Marken gleichzeitig und mit enormem finanziellem Aufwand vorangetrieben. So bereitet Hyundai in seinem Werk in Izmit die Fertigung des vollelektrischen Modells Ioniq 3 vor, wofür rund 250 Millionen Euro investiert wurden. Der offizielle Serienanlauf ist für August geplant, während die Markteinführung im September erfolgen soll. Konkurrent Oyak Renault hat unterdessen bereits die Produktion des C-SUV-Modells Boreal aufgenommen, welches seit Juni im Handel erhältlich ist, und lässt im vierten Quartal die Fertigung des Dacia-Crossover-Modells Striker folgen, das im Dezember auf den Markt kommen soll. Ein logistisches Schwergewicht stellt zudem das K9-Projekt von Tofas dar, das mit einer Investition von 256 Millionen Euro die Kapazitäten im Werk Bursa auf 500.000 Einheiten ausbaut, um dort leichte Nutzfahrzeuge für den Stellantis-Konzern zu produzieren. Ein weiterer großer Impuls wird zudem für das Jahr 2027 erwartet, wenn der heimische E-Auto-Pionier Togg mit der Serienfertigung seines neuen Modells T6 beginnt.

Premiumsegment rüstet auf: DS Automobiles plant Marktstart im Herbst
Parallel zur massiven Ausweitung der lokalen Fertigungskapazitäten verschärft sich auf dem türkischen Automarkt auch der Wettbewerb im oberen Premiumsegment durch importierte Modellneuheiten. Der französische Hersteller DS Automobiles kündigte an, das neue SUV-Modell DS N°7 im Oktober auf den türkischen Markt zu bringen. Zum Verkaufsstart wird den Kunden zunächst eine Hybridversion mit einer Systemleistung von 145 PS zur Verfügung stehen, ehe eine rein elektrische Variante im Jahr 2027 das Portfolio ergänzen soll. Der zuständige Markendirektor Selim Eskinazi unterstrich die Bedeutung der Markteinführung für die strategische Ausrichtung im Land: „Das neue Modell schlägt ein völlig neues Kapitel für unsere Marke in der Türkei auf.“
