Nach wochenlanger, extremer Sommerhitze steht der Türkei ein abrupter und folgenschwerer Wetterumschwung bevor. Wie die Meteorologie-Behörde TSMS mitteilte, rollt ab dem 28. August eine markante Kaltfront über das Land hinweg, die großflächig für heftige Gewitter, Sturmböen und Starkregen sorgen wird. Im Zuge dieses Tiefdruckgebiets werden die Temperaturen innerhalb weniger Tage landesweit um bis zu sieben Grad Celsius einbrechen. Bereits für den 27. August gaben die Wetterexperten eine offizielle Sturmwarnung heraus. Den Prognosen zufolge halten die ergiebigen Niederschläge voraussichtlich bis zum 31. August in weiten Teilen Anatoliens an, während lediglich die Ägäisregion sowie der westliche Mittelmeerraum von den Unwettern weitgehend verschont bleiben. Wie der Nachrichtensender NTV berichtet, unterstrich der renommierte Meteorologe Prof. Dr. Orhan Sen die Besonderheit dieser Wetterlage: „Insbesondere in den nördlichen, zentralen und östlichen Landesteilen müssen wir uns auf einen spürbaren Temperaturrückgang einstellen. In der Megacity Istanbul sinken die Höchstwerte bis zum 30. August auf angenehmere 28 Grad Celsius. Allerdings birgt das Aufeinandertreffen der kalten Luftmassen mit den extrem aufgeheizten Böden erhebliche meteorologische Gefahren, da sich extrem rasch Unwetterzellen bilden können.“
Experten warnen vor Blitzeinschlägen und reißenden Sturzfluten
Die abrupte Ablösung der drückenden Hitze durch kühle Luftmassen birgt nach Einschätzung von Sicherheitsorganen und Meteorologen erhebliche Risiken für die Bevölkerung. Wenn kühle Luftmassen auf bodennahe Hitzedepots prallen, steigt das Risiko für langanhaltenden Starkregen, schweren Hagelschlag und Sturzfluten drastisch an. Der Wetterexperte Prof. Dr. Orhan Sen sprach hierzu eine Dringlichkeitswarnung an die Bevölkerung aus: „Wir betonen immer wieder, dass Regenfälle nach Phasen extrem hoher Temperaturen außerordentlich gefährlich werden können. Ich rate allen Bürgerinnen und Bürgern dringend dazu, bei aufziehenden Gewittern Senken, Flussbetten, Brücken und einzeln stehende Bäume konsequent zu meiden. Es besteht akute Lebensgefahr durch plötzlich auftretende Überschwemmungen und Blitzeinschläge.“ Für die Millionenmetropole Istanbul werden bereits am 28. und 29. August heftige Regenfälle erwartet, ehe sich das Unwettergebiet am 30. August weiter in Richtung Osten verlagert.

Gefährliche Föhneffekte in Antalya und leere Stauseen
Während der Norden und das Landesinnere durchatmen können, bleibt die Lage an der Südküste extrem kritisch. In der Urlaubsregion Antalya sorgt das Zusammenspiel aus enorm hoher Luftfeuchtigkeit und stürmischem Nordwind für einen gefährlichen Föhneffekt, der die Waldbrandgefahr auf ein Höchstmaß treibt. Aktuell fühlt sich die Hitze an der Türkischen Riviera wie 43 Grad Celsius an, während am 28. und 29. August reale Spitzenwerte von rund 40 Grad Celsius gemessen werden. Die Sommerhitze der vergangenen Wochen hat zudem die Wasserreserven des Landes dramatisch schrumpfen lassen. Die Füllstände zahlreicher Stauseen sind auf besorgniserregende Tiefststände gesunken. Um künftig schneller auf derartige Wetterextreme reagieren zu können, baut die türkische Regierung die Frühwarnsysteme und Katastrophenschutz-Infrastrukturen derzeit massiv aus, um die Bevölkerung vor Sturzfluten und Flutwellen zu schützen.
