Die türkischen Aufsichtsbehörden greifen im Kampf gegen unlautere Geschäftspraktiken und irreführende Konsumentenwerbung auf allen Kanälen mit unnachgiebiger Härte durch. Im ersten Halbjahr sowie dem zurückliegenden Vormonat hat die türkische Werbeaufsicht im Zuge ihrer umfassenden Kontrollmaßnahmen Geldstrafen von insgesamt über 185 Millionen Türkischen Lira verhängt (ca. 3,43 Mio. Euro). Wie das türkische Handelsministerium in einer offiziellen Bilanz mitteilte, wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mehr als 21.000 Fälle abschließend bearbeitet. Die Behörden unterstreichen damit ihren Anspruch, den Verbraucherschutz im Land lückenlos durchzusetzen und dem unlauteren Wettbewerb einen Riegel vorzuschieben.

Drastische Strafen bei jüngster Ratssitzung verhängt

Wie das Branchenjournal Trade & Retail Turkey unter Berufung auf den Rechenschaftsbericht der Aufsichtsbehörde meldet, bearbeiteten die Ermittler allein in der jüngsten, 371. Sitzung des Reklam Kurulu insgesamt 149 Dossiers. Das Ergebnis der Überprüfungen fiel eindeutig aus: In 118 Fällen stellte der Rat einen klaren Verstoß gegen die geltenden Vorschriften fest. Für 74 Fälle ordneten die Wächter einen sofortigen Werbestopp an, während die Behörde in 44 weiteren Fällen die Untersagung direkt mit einer empfindlichen Geldbuße kombinierte. Zudem griff das Gremium bei drei besonders gravierenden Online-Verstößen zur schärfsten Waffe und verfügte die sofortige Sperrung des Internetzugangs für die betreffenden Angebote.

Höchststrafe für unhaltbare Gesundheitsversprechen bei Kosmetik

Besonders konsequent zeigte sich das Kollegium bei der Verfolgung von Irreführungen im Gesundheits- und Kosmetiksektor. Im Zentrum der Ermittlungen stand ein Haarspray, das mit wissenschaftlich unhaltbaren Slogans wie „Alle 10 Tage 2.000 neue Haarwurzeln“, „Aktiviert die Haarproduktion“ und „Haarwurzeln erwachen aus dem Schlaf“ aggressiv vermarktet wurde. Die Aufsichtsbehörde stufte diese Werbelinie als vorsätzliche Täuschung der Verbraucher ein. Weil das beschuldigte Unternehmen seine Werbekampagne trotz einer bereits zugestellten Abmahnung unverändert fortsetzte und mit Bildmaterial eine nicht existierende Haarwuchsgarantie vortäuschte, verhängte der Rat kurzerhand die gesetzlich definierte Höchststrafe gegen den Anbieter.

Visum-Versprechen gestoppt und religiöse Kommerzialisierung unterbrochen

Neben Kosmetikprodukten gerieten auch Dienstleister der Reisebranche massiv unter Beschuss. Unternehmen, die Kunden mit irreführenden Phrasen wie „Visum-Garantie“, „100 % Genehmigungsgarantie“, „Termin-Garantie“ oder einer vermeintlichen „Garantielösung“ anlockten, müssen ihre Werbeaktivitäten mit sofortiger Wirkung einstellen. Nach Abschluss eines formalen Prüfungsverfahrens wurde fünf Vermittlungsunternehmen die Fortführung solcher unhaltbaren Versprechen endgültig untersagt.

Parallel dazu eröffnete die Behörde von Amts wegen ein gesondertes Verfahren gegen Geschäftspraktiken in den sozialen Netzwerken. Dort wird aktuell ein Produkt mit dem angeblichen „Duft der Kaaba und der Rawda“ feilgeboten. Der Reklam Kurulu stufte diese Praxis als unzulässige kommerzielle Ausbeutung religiöser Gefühle ein und ordnete eine vorsorgliche, bis zu dreimonatige Aussetzung der Verkaufsaktivitäten an, bis ein finales Urteil gesprochen ist. Das Handelsministerium kündigte an, den Ermittlungsdruck über alle Medienkanäle hinweg aufrechterhalten zu wollen.