Ein lauter Aufschrei geht durch die Küstenregionen der Türkei, wo astronomische Preise für simple Strandliegen die Einheimischen vollends aufbringen. Im renommierten Urlaubsort Bodrum formiert sich offener Widerstand gegen private Betreiber, die für den Zugang zum Meer astronomische Summen aufrufen. Wie die Tageszeitung hürriyet.de berichtet, sind die Preise in vielen privaten Strandclubs im Vergleich zur vorherigen Saison um 20 bis 30 Prozent gestiegen, während etliche Anbieter ihre Entgelte sogar glatt verdoppelt haben. In dem idyllischen Küstenort Gümüslük bei Bodrum gingen wütende Bürger nun gemeinsam auf die Straße, um gegen die drastischen Verteuerungen und die schleichende Privatisierung der Küstenstreifen zu demonstrieren.

„Die Küsten gehören dem Volk“: Protestbewegung fordert freien Meerzugang
Unter dem einprägsamen Aufruf „Bring dein Handtuch mit“ organisierte die lokale Bürgerinitiative Gümüslek Forum eine viel beachtete Demonstration über soziale Netzwerke, meldet 24saatgazetesi.com. Die Bürger versammelten sich am Strand, breiteten ihre eigenen Handtücher direkt im Sand aus und bildeten eine geschlossene Menschenkette. Lautstark skandierten die Teilnehmer die Parole: „Die Küsten gehören dem Volk.“ Die Aktivisten berufen sich dabei direkt auf die türkische Verfassung, welche klar festlegt, dass Küstenstreifen dem Staat gehören und der gesamten Bevölkerung uneingeschränkt zur Verfügung stehen müssen. In der Realität versperren jedoch kommerzielle Liegestühle, Zäune und exklusive VIP-Bereiche den Bürgern den Zugang zum Wasser, weshalb die Demonstranten nun schärfere Kontrollen der Behörden fordern.

Exorbitante Tagespreise: Bis zu 425 Euro für einen Strandtag
Die Preisspanne in den Edellokalen der Region hat mittlerweile extreme Dimensionen angenommen. Je nach Anlage zahlen Gäste für einen Tag am Wasser zwischen 750 Lira – was etwa 16 Euro entspricht – und atemberaubenden 20.000 Lira (rund 425 Euro) pro Person. Im exklusiven Buddha Bar Beach schlägt der Tageseintritt mit 225 Euro zu Buche, während der renommierte Macakizi Beach einen Mindestverzehr von 230 Euro plus 15 Prozent Servicegebühr verlangt. Wer am Lucca Beach gar nichts konsumiert, muss dennoch 100 Euro Liegegebühr entrichten. Ähnlich wie in Urlaubsländern wie Italien oder Kroatien bleibt diese Teuerung nicht ohne Folgen: Viele Luxus-Strandclubs stehen trotz der Hauptsaison auffällig leer. Als staatliche Gegenmaßnahme betreibt das Kulturministerium landesweit bereits 20 kostenlose öffentliche Strände (Halk Plajlari), wobei bis Ende 2026 drei weitere Gratis-Strände eröffnet werden sollen. Das Phänomen beschränkt sich längst nicht nur auf Bodrum, sondern betrifft auch andere Hotspots wie Cesme, Marmaris, Fethiye sowie Cunda.
