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Ein Paar Schuhe hätte die Reise deutlich einfacher gemacht – doch genau darauf verzichtete Eamonn Keaveney mehr als ein Jahr lang. Der irische Extremsportler und Staatsbedienstete ist 6.805,83 Kilometer barfuß von Istanbul bis in seine Heimatstadt Claremorris im irischen County Mayo gelaufen. Jetzt hat Guinness World Records die außergewöhnliche Leistung offiziell als längste Barfuß-Reise der Welt anerkannt.

Was bereits nach einer außergewöhnlichen Ausdauerleistung klingt, wird beim Blick auf die Details noch spektakulärer: 369 Tage, zehn durchquerte Länder beziehungsweise Gebiete entlang seiner Route, extreme Sommerhitze und Winterkälte, Asphalt, Schotter, Dornen, Glassplitter, eine Infektion, ein gebrochener Zeh – und in der Türkei sogar ein Hundebiss mit anschließender Tollwutimpfung.

Am 4. März 2025 begann in Istanbul das Abenteuer

Am 4. März 2025 machte sich Keaveney in Istanbul auf den Weg. Sein Ziel war ebenso simpel wie verrückt: zu Fuß nach Irland – und keinen einzigen Kilometer davon mit Schuhen zurücklegen.

Die Route führte ihn von der Türkei zunächst nach Bulgarien, anschließend über Rumänien, Ungarn, Österreich, Deutschland und Frankreich. Danach ging es weiter über England und Wales nach Irland. Sein endgültiges Ziel war seine Heimatstadt Claremorris.

Am 7. März 2026 kam Keaveney dort an.

Das Ergebnis: 6.805,83 Kilometer in 369 Tagen. Damit legte der Ire barfuß sogar eine größere Distanz zurück als die Breite der kontinentalen Vereinigten Staaten.

Die auf dem Bild verbreitete Angabe von 368 Tagen weicht dabei von der inzwischen veröffentlichten offiziellen Darstellung von Guinness World Records ab. Dort werden 369 Tage angegeben – für den Artikel ist deshalb diese Zahl maßgeblich.

Ausgerechnet in der Türkei biss ihn ein Hund

Eine der ungewöhnlichsten Geschichten seiner gesamten Reise ereignete sich bereits relativ früh in der Türkei.

In der Nähe von Süloğlu im Nordwesten der Türkei wurde Keaveney von einem Hund ins Gesäß gebissen. Wegen des damit verbundenen Tollwutrisikos benötigte er anschließend eine Tollwutimpfung.

Doch gerade aus diesem unangenehmen Zwischenfall entstand für Keaveney eine der Erinnerungen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Als er am folgenden Tag nach Süloğlu kam und dort das örtliche Krankenhaus aufsuchen wollte, wurde er bereits am ersten Haus von einem türkischen Mann zu Kaffee und Frühstück eingeladen. Er lernte dessen Familie kennen, und die Enkelin zeichnete ihm schließlich sogar eine kleine Karte, auf der sie ihm den Weg zum Krankenhaus erklärte. Keaveney erinnerte sich später gegenüber Guinness ausdrücklich an die Hilfsbereitschaft der Menschen, die ihm während seiner Reise begegneten.

Asphalt ließ seine Fußsohlen teilweise bluten

Die eigentliche Herausforderung waren jedoch Keaveneys Füße.

Bereits vor dem Start hatte er sie gezielt vorbereitet und war so häufig wie möglich barfuß gegangen und gejoggt, um seine Fußsohlen an die enorme Belastung zu gewöhnen.

Doch selbst diese Vorbereitung konnte nicht verhindern, was Tausende Kilometer Asphalt mit menschlicher Haut anrichten.

Vor allem lange Tagesetappen auf Straßen rieben die Hornhaut teilweise so stark ab, dass seine Füße bluteten. Hinzu kamen Dornen und kleine Glassplitter, die sich immer wieder in seine Füße bohrten.

Gegen Ende der Reise verursachte ein Schwarzdorn sogar eine Infektion, die Keaveney für eine komplette Woche zum Stillstand zwang.

Und damit nicht genug: Nur etwa eine Woche vor dem Ende seiner Reise brach er sich einen Zeh leicht an. Die Verletzung benötigte anschließend mehr als einen Monat, um vollständig zu verheilen.

25 Kilometer am Tag – barfuß

Keaveney bewältigte während seiner Reise zeitweise durchschnittlich rund 25 Kilometer pro Tag. Dabei stellte nicht nur der Untergrund seinen Körper auf die Probe.

Im europäischen Sommer wurde die extreme Hitze zum Problem. Besonders während seiner Passage durch Ungarn waren die Temperaturen teilweise so hoch, dass er seine Wanderung für ein oder zwei Tage unterbrechen musste.

Monate später hatte sich das Problem komplett umgekehrt: Die Reise dauerte so lange, dass Keaveney schließlich durch den europäischen Winter laufen musste. Nässe und Kälte machten seine ungeschützten Füße besonders empfindlich.

Besonders unangenehm war für ihn Schotter. Auf schlechtem, steinigem Untergrund musste er sein Tempo teilweise erheblich reduzieren.

Seine Freundin begleitete ihn monatelang

Ganz allein begann Keaveney die Reise allerdings nicht.

Seine Freundin Ellie begleitete ihn während der ersten Hälfte des Abenteuers – allerdings mit Schuhen. Nach Angaben des irischen Senders RTÉ war sie ungefähr die ersten sechs Monate bis Genf dabei. Anschließend setzte Keaveney die Reise allein fort.

Dabei musste er nicht nur laufen, sondern seine notwendige Ausrüstung selbst tragen. Nach Keaveneys eigener Einschätzung gehörte ausgerechnet der schwere Rucksack zu den unangenehmsten körperlichen Belastungen der gesamten Reise.

Unterwegs lebte er zeitweise von einfachen Lebensmitteln wie Brot, Käse, Obst und Keksen. Bis Deutschland schlief er häufig im Zelt. Als es zunehmend kälter wurde, nutzte er Übernachtungsmöglichkeiten bei anderen Menschen oder suchte nach möglichst günstigen Unterkünften.

Tausende Menschen starrten auf seine nackten Füße

Ein Mann mit großem Wanderrucksack, der ohne Schuhe quer durch Europa läuft, blieb naturgemäß nicht unbemerkt.

Keaveney berichtete von Tausenden irritierten Blicken. Besonders in ländlichen Regionen, in denen nur wenige Reisende unterwegs waren, fiel er auf.

Überraschenderweise bereitete ihm das Betreten von Geschäften und Restaurants ohne Schuhe jedoch wesentlich weniger Schwierigkeiten als erwartet. Nur in wenigen Fällen wurde seine Barfüßigkeit tatsächlich zum Problem.

Viel stärker blieb ihm die Hilfsbereitschaft fremder Menschen in Erinnerung. Immer wieder erhielt er Essen, Unterstützung oder sogar einen Schlafplatz.

Er brach den Weltrekord schon Monate vor dem Ziel

Besonders kurios: Keaveney musste nicht einmal bis Irland laufen, um den bestehenden Weltrekord zu knacken.

Bereits am 4. September 2025, nach 185 Wandertagen, überschritt er an der ungarisch-österreichischen Grenze die bis dahin gültige Rekordmarke.

Der vorherige Weltrekord gehörte dem Polen Paweł Durakiewicz, der 2024 insgesamt 3.409,75 Kilometer barfuß zurückgelegt hatte.

Keaveney hörte trotzdem nicht auf.

Am Ende stand mit 6.805,83 Kilometern fast die doppelte Distanz des bisherigen Rekords in den Büchern.

Und es war nicht einmal sein erster Barfuß-Weltrekord

Die Geschichte wird noch bemerkenswerter, weil Keaveney den Rekord bereits früher besessen hatte.

Im Jahr 2016 war er 2.080,14 Kilometer barfuß durch Irland gelaufen und hatte damit schon damals einen Guinness-Weltrekord aufgestellt. Nachdem Paweł Durakiewicz die Bestmarke 2024 auf 3.409,75 Kilometer erhöhte, holte sich Keaveney seinen Titel nun mit einer wesentlich extremeren Unternehmung zurück.

Und Barfußlaufen ist nicht seine einzige ungewöhnliche Disziplin.

Im Jahr 2023 stellte Keaveney außerdem den Guinness-Weltrekord für die schnellste Durchquerung Irlands mit einem Einrad durch einen Mann auf. Dafür benötigte er lediglich fünf Tage, fünf Stunden und 23 Minuten.

Seine 6.805 Kilometer hatten noch einen weiteren Zweck

Hinter der außergewöhnlichen Aktion steckte jedoch nicht ausschließlich die Jagd nach einem Weltrekord.

Keaveney nahm für sein Abenteuer eine berufliche Auszeit von seiner Tätigkeit im irischen Staatsdienst und verband die Reise mit einer Spendenaktion für Jigsaw, eine Organisation zur Unterstützung der psychischen Gesundheit junger Menschen, sowie Friends of the Earth Ireland.

Bis September 2026 kamen dabei laut irischen Medien mehr als 21.000 Euro an Spenden zusammen.

Guinness World Records macht es offiziell

Seit September 2026 ist aus dem außergewöhnlichen Abenteuer endgültig ein offizieller Weltrekord geworden.

Guinness World Records bestätigte Keaveneys 6.805,83 Kilometer als längste Barfuß-Reise der Welt. Der offizielle Rekordeintrag nennt Eamonn Keaveney, eine Distanz von 6.805,83 Kilometern und den Abschluss der Leistung am 7. März 2026 in Claremorris, Mayo, Irland.

Damit endete eine Reise, die in Istanbul begann, durch weite Teile Europas führte und Keaveney mehr als ein Jahr lang Hitze, Kälte, Verletzungen und Tausenden Kilometern Straße aussetzte.

Und trotz blutiger Fußsohlen, Infektion, gebrochenem Zeh und Hundebiss würde der Ire die Reise offenbar nicht grundsätzlich ausschließen, noch einmal etwas ähnlich Verrücktes zu unternehmen.

Nach mehr als 6.800 Kilometern barfuß durch Europa hat er sich seinen Weltrekord jedenfalls zurückgeholt.