Die türkische Hauptstadt Ankara hat sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 als entscheidender Triebmotor für den gesamten Außenhandel des Landes etabliert. Wie aus einem aktuellen Bericht der Industriekammer Ankara (ASO) hervorgeht, entfielen mehr als 40 Prozent des gesamten Exportanstiegs der Türkei auf die Metropolregion. Mit Ausfuhren im Wert von 9,08 Milliarden US-Dollar verteidigte Ankara in den Monaten Januar bis Juni unangefochten ihren Rang als viertgrößte Exportprovinz der Türkei. Dies entspricht einem spürbaren Zuwachs von 27,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als Waren im Wert von 7,12 Milliarden US-Dollar aus der Hauptstadtregion ausgeführt wurden. Während die Gesamtexporte der Türkei im ersten Halbjahr um 4,7 Milliarden US-Dollar zulegten, steuerte Ankara allein knapp zwei Milliarden US-Dollar zu diesem landesweiten Ausfuhrplus bei. Wie die Wirtschaftszeitung Dünya berichtet, untermauert dieser Sprung die wachsende Bedeutung der Region für die nationale Wertschöpfung.

Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie als zentraler Wachstumstreiber
Den Hauptgrund für diesen massiven Aufschwung liefert der Sektor der Wehr- und Luftfahrttechnik. Die Branche ist laut dem ASO-Bericht für exakt die Hälfte des gesamten Exportwachstums der Hauptstadt verantwortlich und bestimmt die ökonomische Dynamik der Region damit wie kein anderer Industriezweig. Zu den wichtigsten internationalen Abnehmerländern der Hochtechnologieprodukte aus Ankara gehörten in der ersten Jahreshälfte die USA, die Slowakei, das Vereinigte Königreich, die Ukraine und China. Branchenanalysten der Industriekammer bewerten diese Entwicklung mit Blick auf die geopolitische Lage präzise: „Die Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie hat sich endgültig zum Rückgrat der Wirtschaft in Ankara entwickelt. Der hohe technologische Standard und die steigende internationale Nachfrage sichern den Unternehmen langfristige Aufträge, bringen jedoch auch eine hohe Verantwortung für die Industriestruktur mit sich.“

Industriekammer warnt vor wachsender Marktkonzentration und Klumpenrisiken
Trotz der beeindruckenden Rekordzahlen mahnen die Experten der Industriekammer Ankara zu Vorsicht und weisen auf eine riskante Marktkonzentration hin. Während die 20 wichtigsten Exportmärkte der Türkei insgesamt leicht an Gewicht verloren und deren Anteil von 65,4 auf 64,6 Prozent sank, zeigt sich in Ankara ein gegenteiliger Verlauf. In der Hauptstadt stieg die Abnahmeabhängigkeit von den Top-20-Märkten drastisch von 63,8 auf 72,4 Prozent an. Experten warnen vor dieser Verengung des Abnehmerkreises: „Ein Großteil des aktuellen Exporterfolgs hängt von wenigen Zielmärkten und einer einzelnen, strategisch hochsensiblen Branche ab. Um das Wachstum langfristig krisenfest aufzustellen, muss Ankara seine Produktpalette sowie seine Handelspartner in den kommenden Jahren wieder breiter diversifizieren.“
