Die türkischen Talsperren verzeichnen aktuell die höchsten Füllstände seit mehreren Jahren und sorgen für eine deutliche Entlastung der nationalen Energieversorgung. Laut den neuesten Erhebungen des staatlichen Netzbetreibers TEIAS hat sich die den Stauanlagen landesweit zugeführte Wassermenge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Diese massiven Niederschläge und Schmelzwassermengen führten zu einem historischen Höchststand bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft. Dem aktuellen Wasserbericht der Behören zufolge erreichte der Füllstand der türkischen Stauseen zum 19. Juli einen beeindruckenden Wert von 71,3 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag die Quote bei mageren 51,7 Prozent, während im Jahr 2024 ein Wert von 61,4 Prozent verzeichnet worden war. Wie das Fachportal Enerji Günlügü berichtet, unterstreicht dieser steile Anstieg die nachhaltige Erholung der Reservoirs nach vorangegangenen Trockenphasen.
Speichermengen übertreffen langjährigen Mittelwert um fast 30 Prozent
Die absolute Menge des nutzbaren Wassers in allen türkischen Stauseen summierte sich im Juli auf gigantische 72,53 Milliarden Kubikmeter. Dies entspricht einem enormen Anstieg von 139,9 Prozent gegenüber den 30,24 Milliarden Kubikmetern aus dem Vergleichszeitraum des Krisenjahres 2023. Damit übertrifft das aktuelle Wasservolumen nicht nur die Vorjahre deutlich, sondern liegt auch fast 30 Prozent über dem langjährigen Mittelwert von 55,93 Milliarden Kubikmetern. Branchenexperten des Netzbetreibers ordneten die außerordentliche Entwicklung wie folgt ein: „Die akkumulierten Wassereinläufe haben im bisherigen Jahresverlauf kumuliert 195,1 Prozent der ursprünglich für diesen Zeitraum angesetzten Programmerwartungen erreicht. Wir erleben eine bemerkenswerte Hydrologie, die der Türkei nicht nur eine sichere Wasserversorgung beschert, sondern auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten zur Stromerzeugung drastisch senkt.“

Stromerzeugung aus Wasserkraft klettert im ersten Halbjahr um 68 Prozent
Der außergewöhnliche Wasserreichtum spiegelt sich unmittelbar in der nationalen Energiebilanz wider. In der ersten Jahreshälfte 2026 schnellte die Erzeugung aus Wasserkraftwerken im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent in die Höhe. Während die Wasserkraftanlagen im ersten Halbjahr 2023 lediglich 33,9 Milliarden Kilowattstunden lieferten, speisten sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 57 Milliarden Kilowattstunden in das Stromnetz ein. Damit überstieg der Anteil der Wasserkraft an der gesamten türkischen Stromproduktion die Marke von 32 Prozent. Die Frühlingsmonate erwiesen sich dabei als besonders ergiebig, wobei der Mai mit einem Zufluss von 19,3 Milliarden Kubikmetern als wasserreichster Monat herausragte. Auch im Februar, April und Juni lag der Wasserzulauf um das Zwei- bis Dreifache über den Vorjahreswerten. Zu den Hauptprofiteuren dieser Entwicklung zählen strategische Großkraftwerke wie Keban, Deriner, Altinkaya und der Atatürk-Staudamm sowie zahlreiche weitere Anlagen in den großen Flusseinzugsgebieten des Landes.
