Die wirtschaftliche Stimmung in der Türkei präsentiert sich zu Beginn des zweiten Halbjahres zwiegespalten. Wie aus den am 27. Juli veröffentlichten Erhebungen des Türkischen Statistikinstituts TÜIK hervorgeht, blicken Dienstleistungsunternehmen und das Baugewerbe wieder optimistischer in die Zukunft, während sich die Lage im Einzelhandel spürbar eingetrübt hat. Wie das Finanzportal Borsagündem unter Berufung auf die aktuellen Regierungsdaten berichtet, stieg der saisonbereinigte Vertrauensindex im Dienstleistungssektor im Vergleich zum Juni um 1,4 Prozent auf 112 Punkte. Auch in der Baubranche hellte sich das Barometer leicht auf: Der Index kletterte um 0,6 Prozent auf 83,5 Zähler. Da Werte unter der Marke von 100 Punkten eine pessimistische Grundhaltung signalisieren, verharrt die Bauwirtschaft trotz des leichten Anstiegs weiterhin im negativen Bereich. In der offiziellen Auswertung der Statistikbehörde heißt es zur Gesamtlage: „Während der Dienstleistungssektor von stabilen Nachfrageerwartungen profitiert, leidet der Einzelhandel unter einer spürbaren Eintrübung der Geschäftsaussichten für die kommenden Monate.

Dienstleister blicken optimistisch nach vorne: Einzelhandel unter Anpassungsdruck

Im Dienstleistungssektor bildeten vor allem die positiven Erwartungen für das anstehende Quartal den Motor der Erholung. Obwohl die tatsächliche Nachfrage in den vergangenen drei Monaten minimal um 0,2 Prozent nachgab, legten die Nachfrageerwartungen für die kommenden drei Monate um deutliche 3,7 Prozent zu. Gleichzeitig bewerteten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas vorteilhafter als im Vormonat. Ein völlig konträres Bild zeigt sich hingegen im Einzelhandel, wo das Vertrauensbarometer um 1,6 Prozent auf 111 Punkte nachgab. Hauptursache für diesen Dämpfer ist ein signifikanter Einbruch bei den Zukunftserwartungen: Die Prognosen für die Geschäftstätigkeit und die Verkäufe in den nächsten drei Monaten sackten um 3,8 Prozent ab. Auch die Einschätzungen zum vergangenen Geschäftsvolumen sowie die Beurteilung der aktuellen Lagerbestände entwickelten sich leicht rückläufig.

Auftragsbücher im Baugewerbe füllen sich: Unternehmen zögern bei Neueinstellungen

Innerhalb der Baubranche förderte die Erhebung des Statistikamtes gegensätzliche Trends zutage. Ein besonders positives Signal lieferte die Beurteilung des aktuellen Auftragsbestands, die um beachtliche 3,9 Prozent nach oben schnellte. Trotz dieser gefüllten Auftragsbücher begegnen die Bauunternehmen der weiteren personellen Entwicklung jedoch mit großer Zurückhaltung. Die Erwartungen bezüglich der Gesamtbeschäftigung für die nächsten drei Monate gaben um 2,3 Prozent nach. Branchenbeobachter fassen diesen Zwiespalt prägnant zusammen: „Die gefüllten Auftragsbücher sorgen zwar für eine fundamentale Auslastung im Baugewerbe, doch gestiegene Kosten und personelle Unsicherheiten veranlassen die Betriebe dazu, bei Neuverpflichtungen vorerst auf der Bremse zu bleiben.