Die anhaltenden Hürden bei der Erteilung von Einreisegenehmigungen nach Deutschland belasten die Beziehungen zwischen beiden Nationen zunehmend. In einer deutlichen Stellungnahme hat Numan Olcar, Präsidialberater des türkischen Reisebüroverbands TÜRSAB, die deutsche Visapraxis gegenüber der Türkei scharf kritisiert. Wie das Branchenmagazin Touristik Aktuell berichtet, stößt insbesondere die ungleiche Behandlung im Vergleich zu anderen Nationen auf Unverständnis. Während Deutschland zahlreichen Staaten weltweit visumfreies Reisen für bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen gewähre, bleibe die Türkei von dieser Erleichterung weiterhin komplett ausgeschlossen. Dieser Zustand ist nach der Auffassung des Verbandsvertreters mit den historisch gewachsenen und engen Bindungen beider Länder schlichtweg nicht vereinbar.
Massive Blockade für Wirtschaft, Studenten und Urlauber
Die bürokratischen Barrieren haben laut den Vertretern der Tourismusbranche längst existenzbedrohende Ausmaße für viele Antragsteller angenommen. Der Verbandsfunktionär verwies in diesem Zusammenhang auf die millionenfachen sozialen Verbindungen sowie die intensiven Handels-, Wirtschafts- und Tourismusbeziehungen zwischen Berlin und Ankara. Dennoch sähen sich türkische Staatsbürger zunehmend langwierigen und extrem kostspieligen Visaverfahren gegenüber. „Menschen warten monatelang auf einen Visumstermin. Geschäftsleute können nicht sicher planen, ob sie ihre Meetings wahrnehmen können. Studenten können nicht sicher sein, ob sie rechtzeitig zu ihren Bildungsprogrammen erscheinen können. Und Bürger können nicht sicher sein, ob sie ihre geplanten Reisen antreten können“, schilderte Numan Olcar die dramatische Lage der Betroffenen im Detail. Für den Experten steht fest, dass dies längst nicht mehr nur eine reine Frage der individuellen Reisefreiheit sei, sondern sich zu einem gravierenden Störfaktor für den bilateralen Handel, den Tourismus und die gesamte wirtschaftliche Zusammenarbeit entwickelt habe.

Selbstkritik an Ankara: Hausaufgaben bei der Visa-Liberalisierung unerfüllt
Trotz der deutlichen Worte in Richtung der europäischen Behörden sieht der Verband die Schuld für die verfahrene Situation jedoch keineswegs nur auf einer Seite der Grenze. Zugleich nahm Numan Olcar auch die Führung in der Türkei selbst in die Pflicht, um Fortschritte zu erzielen. Er stellte klar, dass sich die Kritik keinesfalls einseitig gegen Deutschland oder die Europäische Union richten dürfe. Auch die Regierung in Ankara müsse selbstkritisch hinterfragen, welche konkreten Reformkriterien im langjährigen Prozess der Visa-Liberalisierung weiterhin unerfüllt geblieben sind und welche notwendigen gesetzlichen Schritte von der eigenen Politik bislang versäumt wurden. Abschließend betonte der TÜRSAB-Berater, dass man von den europäischen Partnern keineswegs eine Sonderbehandlung erwarte. Gefordert werde stattdessen ein faires, berechenbares und strikt am Grundsatz der Gegenseitigkeit orientiertes Visasystem, welches der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung des Landes endlich gerecht werde.
