Die Türkei verzeichnet im Tourismussektor weiterhin einen enormen Zustrom aus der Russischen Föderation, beobachtet jedoch eine spürbare Verschiebung der bevorzugten Reiseziele innerhalb des Landes. Wie aus aktuellen Erhebungen der Vereinigung der Reiseveranstalter Russlands (ATOR) hervorgeht, besuchten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 insgesamt 2,65 Millionen russische Staatsbürger das Land. Damit verteidigt Russland unangefochten den ersten Platz als wichtigster Herkunftsmarkt und liegt im Ranking vor Deutschland mit 2,44 Millionen Besuchern sowie Großbritannien mit 1,58 Millionen Gästen. Während das Gesamtaufkommen die starken Werte der Vorjahre erneut unterstreicht, offenbart die regionale Verteilung eine bemerkenswerte Entwicklung: Die traditionelle Hochburg der russischen Urlaubsgäste, die Mittelmeerküste rund um Antalya, muss einen leichten Dämpfer hinnehmen. Wie das Branchenjournal Turizm Gazetesi berichtet, ging die Zahl der russischen Besucher an der Türkischen Riviera im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent zurück. Dennoch entfällt mit einem Marktanteil von 49,6 Prozent weiterhin fast die Hälfte des gesamten russischen Reiseaufkommens auf die Küstenregion.

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Ägäisküste verliert ebenfalls leicht: Metropole Istanbul steigt auf 40 Prozent Anteil

Eine vergleichbare, wenn auch auf kleinerem Niveau liegende Tendenz verzeichnen die Reiseveranstalter für die Ägäisküste. Dort ging die Zahl der russischen Gäste im ersten Halbjahr um 6,7 Prozent zurück, was einen Anteil am Gesamtvolumen von nur noch 4,2 Prozent bedeutet. Der eindeutige Gewinner dieser Binnenverschiebung ist hingegen die Metropole Istanbul. Die Weltstadt am Bosporus verbuchte bei Reisenden aus Russland ein beeindruckendes Besucherplus von 13,7 Prozent. In der Folge kletterte der Anteil Istanbuls am gesamten russischen Touristenstrom in die Türkei auf beachtliche 40 Prozent. Die statistischen Daten verdeutlichen damit eine klare Neuorientierung vieler Urlauber hin zu Städtereisen, Kulturtrips und flexibleren Aufenthaltsformen.

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Veränderte Preisstrukturen und Medizintourismus verändern das Buchungsverhalten

Branchenanalysten des Branchenverbandes ATOR begründen den Wandel im Reiseverhalten mit handfesten ökonomischen und strukturellen Faktoren sowie neuen Motivationen der Reiselustigen. Der klassische Strandurlaub an den Südküsten hat trotz seiner anhaltenden Dominanz leicht an Zuspruch verloren. Experten der Vereinigung analysierten die Entwicklung auf dem türkischen Markt wie folgt: „Für die Verschiebung der Reiseströme sind vor allem veränderte Preisstrukturen in den All-Inclusive-Resorts an der Küste sowie ein stark gestiegenes Interesse an Shopping- und Medizintourismus verantwortlich. Istanbul hat sich in diesen Sektoren als zentraler Dreh- und Angelpunkt etabliert. Die Stadt verknüpft erstklassige medizinische Dienstleistungen und exzellente Einkaufsmöglichkeiten perfekt mit einem weltweiten Flugknotenpunkt, was für viele russische Gäste zunehmend attraktiver ist als ein reiner Badeaufenthalt.