In ihrer jüngsten periodischen Überprüfung hat die führende US-Ratingagentur Moody’s keine Änderung an der Kreditwürdigkeit der Türkei vorgenommen. Die Bonitätswächter belassen das Land somit weiterhin bei der Note „Ba3“ mit einem „stabilen“ Ausblick in der sogenannten Spekulationsklasse. Wie die Agentur im Anschluss an die Analyse mitteilte, stellt dieser reine Überprüfungsentscheid jedoch kein automatisches Signal für einen unmittelbar bevorstehenden Rating-Schritt dar. In ihrer detaillierten Auswertung heben die Finanzanalysten von Moody’s insbesondere die verbliebenen strukturellen Stärken der türkischen Volkswirtschaft hervor. Dazu zählen vor allem die breit diversifizierte und dynamische Wirtschaftsstruktur sowie eine im internationalen Vergleich weiterhin überschaubare, niedrige öffentliche Schuldenquote. Wie der Finanzdienst Bloomberg HT berichtet, bewerten die Analysten zudem den Kurswechsel in der nationalen Geldpolitik als wesentlichen Anker für die gesamtwirtschaftliche Konsolidierung. Die konsequente Straffung durch die Zentralbank seit Mitte 2023 habe die Inflationsdynamik spürbar gebremst, makroökonomische Ungleichgewichte reduziert und das Vertrauen in- sowie ausländischer Anleger in die Türkische Lira schrittweise gestärkt.
Energiepreisdruck bremst Disinflation: Inflationsrate soll Ende 2026 auf 29 Prozent sinken
Gleichzeitig dämpft Moody’s jedoch übermäßige Erwartungen an ein rasches Zurückgehen des Preisdrucks im Land. Der weltweite Anstieg der Energiepreise infolge der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten erschwert den angestrebten Disinflationsprozess der Regierung spürbar. Nach Einschätzung der Fachleute wird die Teuerungsrate in der Türkei erst Ende 2026 auf 29 Prozent sinken und im darauffolgenden Jahr 2027 einen Wert von 24 Prozent erreichen. Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Dynamik prognostizieren die Experten eine vorübergehende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums von 3,6 Prozent im Jahr 2025 auf 3,4 Prozent im Jahr 2026. Für das Jahr 2027 rechnet die Agentur dagegen wieder mit einem deutlich kräftigeren Aufschwung, der vor allem durch umfangreiche staatliche Ausgabenprogramme im Vorfeld der anstehenden Wahlen getrieben werden dürfte.
Bedingungen für Höherstufung: Reformkurs muss dauerhaft fortgesetzt werden
Die internationalen Bonitätsprüfer knüpfen eine spätere Anhebung der Note an klare währungspolitische Vorgaben. Voraussetzung für ein besseres Rating sei die konsequente Weiterführung des eingeleiteten Reformkurses, um die Wirtschaft krisenfest gegen Währungs- und Inflationsschocks aufzustellen. Die Analysten von Moody’s definierten den Rahmen für künftige Rating-Schritte in ihrer Beurteilung präzise: „Eine Höherstufung der Note erfordert die nachhaltige Implementierung von Reformen, die die makroökonomische Stabilität dauerhaft wiederherstellen und die Anfälligkeit des Landes gegenüber externen Risiken sowie Wechselkursschwankungen strukturell senken. Aus der aktuellen Bestätigung leitet sich jedoch keine zwingende Notenänderung zu den im offiziellen Kalender vermerkten Terminen ab, da Anpassungen der Kreditwürdigkeit jederzeit auch außerhalb dieses Zeitplans vorgenommen werden können. Der nächste reguläre Prüftermin ist im Kalender für den 24. Juli 2026 vorgesehen.“
