In der Türkei wird seit jeher intensiv darüber gestritten, welche Region den besten Simit, den traditionsreichen landestypischen Sesamring, backt. Eine neue, breit angelegte Untersuchung bringt nun überraschende Klarheit in die Debatte: Nicht die Metropolen Istanbul oder Ankara, sondern die nordwestanatolische Stadt Eskisehir stellt den landesweit besten Simit her. Wie die Tageszeitung Hürriyet berichtet, traten bei dem Geschmacksvergleich ausschließlich Produkte mit einem offiziellen geografischen Herkunftsnachweis der Patentbehörde TURKPATENT gegeneinander an. Die umfassende Bewertung basierte auf einer detaillierten Analyse offizieller Rezepturen, regionaler Herstellungsverfahren sowie direkter Verbrauchertests. Mit exakt 91 von 100 möglichen Punkten sicherte sich der Eskisehir Simidi den Gesamtsieg im nationalen Klassement. Dicht dahinter landete der Antakya Simidi mit 90 Punkten auf dem zweiten Platz, während das berühmte Izmir-Gevrek mit 89,5 Punkten das Podium komplettierte. Die traditionell als Gebäck-Hochburgen geltenden Großstädte Ankara und Istanbul mussten sich mit jeweils 88 Punkten geschlagen geben und teilen sich Rang vier, gefolgt vom Izmit Simidi mit 87,5 Punkten, dem Samsun Simidi mit 85,5 Punkten sowie dem Rize Simidi mit 85 Punkten.
Detailanalyse der Zehn-Punkte-Kriterien: Jede Region punktet mit eigener Stärke
Die Detailauswertung über insgesamt zehn verschiedene Bewertungskategorien offenbart ein differenziertes Bild der türkischen Backkunst. In der für viele Konsumenten entscheidenden Disziplin der äußeren Knusprigkeit setzte sich das Izmir-Gevrek mit der perfekten Höchstnote von 10 Punkten durch. Bei der Weichheit und idealen Abstimmung des inneren Teigs war hingegen der Izmit Simidi mit 10 Punkten unangefochten an der Spitze. In puncto originärer Rezeptur sicherten sich der Rize Simidi und der Antakya Simidi jeweils 10 Punkte, während beim vielschichtigen Aroma gleich vier Städte – Ankara, Samsun, Antakya und Eskisehir mit jeweils 9,5 Punkten – die Höchstwertung erzielten. Auch bei der handwerklichen Verarbeitungspräzision überzeugten Ankara, Izmir, Antakya, Eskisehir und Rize mit jeweils 9,5 Punkten.

Kulturelles Erbe und traditionelles Handwerk sichern den Gesamtsieg
Besonders aufschlussreich fiel die Auswertung bezüglich der kulturellen Identität aus. In dieser Kategorie erhielten die Varianten aus Istanbul und Rize die volle Punktzahl von 10 Punkten, was ihre tiefgreifende historische Verwurzelung unterstreicht. Als besonders sättigend wurden wiederum die Gebäckvarianten aus Istanbul und Antakya mit jeweils 9,5 Punkten eingestuft, während der Ankara Simidi bei der Standardisierung der Herstellungsprozesse mit 10 Punkten glänzte. Experten und lokale Bäckermeister ordneten die detaillierten Gesamtergebnisse des Vergleichs wie folgt ein: „Der Erfolg des Eskisehir Simidi ist kein Zufall, sondern das Resultat jahrzehntelanger handwerklicher Tradition in Kombination mit der Zubereitung im klassischen Holzofen und einer perfekten Abstimmung von Traubenmelasse und Sesam. Die Erhebung zeigt eindrucksvoll, dass der Simit weit über ein einfaches Straßengebäck hinausgeht. Jede Region prägt durch ihre eigene Rezeptur ein unverwechselbares kulturelles Erbe der türkischen Gastronomie.“
