Das lange Warten hat endlich ein Ende, und für die sportbegeisterte Nation bricht ein neues Zeitalter an. Die türkische Fußballnationalmannschaft startet am Sonntagmorgen in das lang ersehnte Abenteuer der FIFA-Weltmeisterschaft 2026, die gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Zum Auftakt der hart umkämpften Gruppe D treffen die Schützlinge des Verbandes im modernen BC Place Stadium in Vancouver, Kanada, auf die Auswahl aus Australien. Der Anpfiff der richtungsweisenden Partie ertönt um 06:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ). Für die Mannschaft ist es der Beginn einer intensiven Reise quer durch Nordamerika. Nach dem Duell mit den „Socceroos“ reisen die Schützlinge weiter in die USA, wo am Samstag, dem 20. Juni 2026, im San Francisco Bay Area Stadium das zweite Gruppenspiel gegen Paraguay auf dem Programm steht. Die Vorrunde wird schließlich am Freitag, dem 26. Juni 2026, mit dem hochemotionalen Kracher gegen die Co-Gastgeber aus den USA im stimmungsvollen Los Angeles Stadium abgeschlossen.

Ungeschlagene Vorbereitung schürt die rot-weiße Euphorie
Die Formkurve der Mannschaft vor dem scharfen Turnierstart gibt allen Grund zum Optimismus, da die absolvierte Vorbereitungsphase absolut makellos verlief. In den beiden angesetzten Testspielen blieben die Schützlinge ungeschlagen und tankten ordentlich Selbstbewusstsein. Zunächst feierte das Team in Istanbul einen fulminanten 4:0-Kantersieg gegen Nordmazedonien, ehe die Generalprobe im US-Bundesstaat Florida mit einem verdienten 2:1-Erfolg gegen Venezuela ebenfalls erfolgreich gestaltet werden konnte. Der morgige Gegner aus Down Under blickt hingegen auf eine durchwachsene Vorbereitung zurück. Die Australier mussten sich Mexiko knapp mit 0:1 geschlagen geben und kamen im Anschluss gegen die Schweiz nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Türken mit psychologischem Vorteil in das Turnier starten.
Das Ende einer quälenden 24-jährigen Durststrecke
Mit dem morgigen Anpfiff geht für den türkischen Fußball eine schmerzhafte Ära des Wartens zu Ende, denn die Nationalmannschaft musste eine 24-jährige Durststrecke überstehen, um sich wieder auf der ganz großen Weltbühne präsentieren zu dürfen. Der Weg dorthin war ein echtes sportliches Drama. In der europäischen Qualifikationsgruppe E landete das Team hinter Schwergewicht Spanien, aber vor Georgien und Bulgarien, mit starken 13 Punkten aus vier Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage auf dem zweiten Rang. In den anschließenden, nervenaufreibenden Playoffs behielten die Profis jedoch die Nerven. Nach einem hart umkämpften 1:0-Halbfinalsieg in Istanbul gegen Rumänien machte die Auswahl den Traum durch einen identischen 1:0-Auswärtssieg im Hexenkessel von Kosovo perfekt und löste das begehrte WM-Ticket.

Die glorreiche Historie: Das Sommermärchen von 2002 und der legendäre Münzwurf
Beim Blick auf die WM-Historie werden unweigerlich Erinnerungen an das erfolgreichste Kapitel der Verbandsgeschichte wach. Zuletzt nahm die Auswahl im Jahr 2002 an der Endrunde in Südkorea und Japan teil. Damals verzauberte das Team die Fans weltweit, marschierte sensationell bis ins Halbfinale und sicherte sich nach einem packenden Sieg gegen den Co-Gastgeber Südkorea den historischen dritten Platz. Insgesamt ist es die dritte erfolgreiche Qualifikation für eine Endrunde, wenngleich das Team erst zum zweiten Mal tatsächlich auf dem Rasen steht. Bei der ersten Qualifikation im Jahr 1950 verhinderte eine akute Finanzkrise die Reise zum Turnier in die Schweiz.
Die erste tatsächliche Teilnahme im Jahr 1954 ging unterdessen durch eine skurrile Anekdote in die Geschichtsbücher ein. Nach zwei Duellen in der Qualifikation gegen Spanien stand es unentschieden, weshalb ein Entscheidungsspiel auf neutralem Boden herhalten musste. Da auch dieses Match nach einem dramatischen Verlauf 2:2 endete und es das Elfmeterschießen in der heutigen Form noch nicht gab, musste das Los entscheiden. Ein italienischer Balljunge namens Franco warf die Münze in die Luft und bescherte der Türkei das historische erste WM-Ticket. In der darauffolgenden Endrunde reichte es nach einem Sieg und einer Niederlage gegen Ungarn, Westdeutschland und Südkorea aufgrund des damaligen Modus und einer erneuten Pleite gegen die Bundesrepublik nicht für das Weiterkommen.

Das erste offizielle Kräftemessen gegen die Socceroos
Das morgige Aufeinandertreffen im Killarney-Park-Fokus birgt zudem eine echte Premiere, da die beiden Nationen noch nie in einem offiziellen Pflichtspiel die Klingen gekreuzt haben. Die bisherige Bilanz aus zwei rein freundschaftlichen Begegnungen spricht indes eine eindeutige Sprache zugunsten der Rot-Weißen, die beide Partien für sich entscheiden konnten. Das bis dato letzte Duell liegt allerdings schon ein gutes Stück zurück: Am 24. Mai 2004 behielt die Auswahl bei einem Gastspiel in Australien mit 1:0 die Oberhand. Für das geschichtsträchtige Land wird die morgige Partie zudem ein gigantischer Meilenstein der Verbandshistorie. Es handelt sich um das exakt 652. offizielle Länderspiel der türkischen Nationalmannschaft. Die bisherige Gesamtbilanz der vergangenen Jahrzehnte liest sich wie ein Spiegelbild des leidenschaftlichen Fußballs des Landes: 259 Siege (darunter einer durch Forfait), 151 Unentschieden und 241 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 903 erzielten Treffern zu 927 Gegentoren stehen zu Buche.
Vincenzo Montella vor dem 34. Spiel: Auf den Spuren des EM-Erfolgs
An der Seitenlinie trägt der italienische Taktikfuchs Vincenzo Montella die große Verantwortung für das Abschneiden des Kaders. Für den beliebten Coach ist es bereits das 34. Spiel in seiner Amtszeit als Nationaltrainer, in der er eine starke Bilanz von 20 Siegen, fünf Unentschieden und acht Niederlagen vorweisen kann. Unter seiner Regie erlebte die Nation bereits ein echtes Highlight, als er das Team bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland mit packendem Offensivfußball bis ins Viertelfinale führte. Nun soll der nächste Meilenstein auf globaler Ebene folgen. Die Australier, die vom erfahrenen Trainer Tony Popovic betreut werden, reisen als Tabellensiebenundzwanzigster (Platz 27) der offiziellen FIFA-Weltrangliste an. Ein besonderes Augenmerk liegt im gegnerischen Kader auf dem Routinier Aziz Behich, der den türkischen Fußball bestens kennt, da er in der Trendyol Süper Lig bereits für Bursaspor, RAMS Basaksehir, Zecorner Kayserispor und Giresunspor die Fußballschuhe schnürte. Geleitet wird der WM-Auftakt, wie bereits offiziell bekannt gegeben, von Schiedsrichter Jesus Valenzuela aus Venezuela, der von seinen Landsleuten Jorge Urrego und Tulio Moreno assistiert wird, während das peruanische Duo Kevin Ortega und Michael Orue das Gespann komplettiert.
Voraussichtliche Startaufstellungen
Türkei: Cakir – Celik, Demiral, Bardakci, Elmali – Yüksek, Calhanoglu, Akgün, Güler, Yilmaz – Aktürkoglu
Australien: Ryan – Circati, Burgess, Souttar, Italiano – O’Neill, Irvine, Bos, Metcalfe – Toure, Velupillay
Das 26-köpfige WM-Aufgebot der Türkei
Tor: Ugurcan Cakir (Galatasaray), Altay Bayindir (Manchester United), Mert Günok (Fenerbahce)
Abwehr: Abdülkerim Bardakci (Galatasaray), Caglar Söyüncü (Fenerbahce), Eren Elmali (Galatasaray), Ferdi Kadioglu (Brighton & Hove Albion), Merih Demiral (Al-Ahli SFC), Mert Müldür (Fenerbahce), Ozan Kabak (TSG 1899 Hoffenheim), Samet Akaydin (Caykur Rizespor), Zeki Celik (AS Rom)
Mittelfeld: Hakan Calhanoglu (Inter Mailand), Ismail Yüksek (Fenerbahce), Kaan Ayhan (Galatasaray), Orkun Kökcü (Besiktas), Salih Özcan (Borussia Dortmund), Arda Güler (Real Madrid), Baris Alper Yilmaz (Galatasaray), Irfan Can Kahveci (Kasimpasa), Kerem Aktürkoglu (Fenerbahce), Oguz Aydin (Fenerbahce), Yunus Akgün (Galatasaray)
Angriff: Can Uzun (Eintracht Frankfurt), Deniz Gül (FC Porto), Kenan Yildiz (Juventus Turin)
