Die Türkei treibt ihre technologische Eigenständigkeit mit großem Nachdruck voran und hat ihre nationale Strategie für künstliche Intelligenz für die Jahre 2026 bis 2030 offiziell verabschiedet. Wie das Ministerium für Industrie und Technologie bekannt gab, zielt der umfassende Rahmenplan darauf ab, die digitale Souveränität des Landes nachhaltig zu sichern, die globale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen zu steigern und eine eigenständige digitale Infrastruktur aufzubauen. Die Initiative versteht sich als direkte Antwort auf die tiefgreifenden Umwälzungen, die künstliche Intelligenz in der modernen Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltung, den Produktionsketten und der Zivilgesellschaft auslöst. Im Mittelpunkt der Strategie stehen Prinzipien wie menschenzentrierte Technologieentwicklung, gesellschaftliches Vertrauen, ethische Standards und ökologische Nachhaltigkeit. Wie das Technologiemagazin Webrazzi berichtet, stellte der türkische Minister für Industrie und Technologie, Mehmet Fatih Kacir, die Tragweite der Pläne klar heraus: „KI (yapay zeka) ist längst kein rein technologisches Themenfeld mehr, sondern einer der entscheidenden Indikatoren für wirtschaftlichen Wohlstand, globale Konkurrenzfähigkeit und die eigenen Souveränitätsgrenzen eines Staates. Die Türkei wird bei diesem weltweiten Transformationsprozess keinesfalls bloß passiver Zuschauende sein, sondern als aktiver Vorreiter vorangehen. Wir wollen unser Land zu einem international führenden Zentrum für Investitionen, Top-Talente und bahnbrechende Innovationen entwickeln.“

Ausbildungsoffensive für Millionen Bürger und Verdopplung der Fachkräfte
Ein zentraler Pfeiler des Fünf-Jahres-Plans ist der massive Ausbau der digitalen Kompetenzen innerhalb der Bevölkerung sowie die gezielte Qualifizierung hochspezialisierter Fachkräfte. Minister Mehmet Fatih Kacir kündigte an, dass innerhalb der kommenden zwei Jahre mindestens fünf Millionen Bürgerinnen und Bürger ein umfassendes Schulungsprogramm zur KI-Alphabetisierung absolvieren sollen. Das Ausbildungsprogramm soll dabei sowohl die vielfältigen Chancen als auch die potenziellen Risiken und Sicherheitsfragen der neuen Technologien verständlich vermitteln. Um die heimische Softwareindustrie zu stärken, sieht der Fahrplan vor, bis Ende 2027 exakt 10.000 hochgradige KI-Spezialisten sowie 100.000 KI-Anwendungsprofis auszubilden. Ergänzend dazu sollen an mindestens 50 Universitäten des Landes verpflichtende KI-Grundlagenkurse im Curriculum verankert werden, um den akademischen Nachwuchs frühzeitig auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten.
Freigabe von 2.000 staatlichen Datensätzen und Milliarden-Investitionen
Neben der Bildungsinitiative bildet der barrierefreie Zugang zu hochwertigen Daten das Rückgrat der neuen KI-Roadmap. Die Regierung hat zugesagt, den heimischen Entwicklern und Forschungseinrichtungen rund 2.000 öffentliche Datensätze über die Nationale Datenbibliothek maschinenlesbar zur Verfügung zu stellen. Dieser Schritt soll Innovationen in Schlüsselbereichen wie dem Gesundheitswesen, der Bildung, der Energieversorgung, der Logistik sowie dem Finanzsektor beschleunigen. Darüber hinaus treibt Ankara den Ausbau der eigenen Recheninfrastruktur voran: Bis zum Jahr 2030 soll die installierte Leistung der nationalen Rechenzentren auf mindestens ein Gigawatt ausgebaut werden, während privatwirtschaftliche und staatliche Investitionen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar in Cloud- und KI-Infrastrukturen mobilisiert werden. Minister Mehmet Fatih Kacir unterstrich den Anspruch auf technologische Unabhängigkeit deutlich: „Mit unserer starken Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur, unserem dynamischen Ökosystem für Start-ups und unserer enormen Produktionskapazität schaffen wir ein verlässliches KI-Umfeld. Wir werden künstliche Intelligenz zu einem zentralen Pfeiler der technologischen Unabhängigkeit und des wirtschaftlichen Aufstiegs der Türkei machen.“
