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Die türkische Eisenbahninfrastruktur steht vor einem der ambitioniertesten Ausbauprojekte ihrer Geschichte, das den Norden des Landes drastisch enger an die Hauptstadregion anbinden wird. Wie der türkische Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloglu ankündigte, wird die im Bau befindliche Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ankara und der Küstenstadt Samsun die Reisezeit von derzeit rund 6,5 Stunden auf nur noch 2,5 Stunden verkürzen. Das Großprojekt erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 293 Kilometern und verläuft über die Trasse Ankara–Kirikkale–Corum–Samsun. Die Bauarbeiten am ersten, 120 Kilometer langen Teilstück zwischen Kirikkale (Delice) und Corum sind bereits in vollem Gange. Wie das Fachportal Ulastirma Haber berichtet, unterstrich Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu die strategische Tragweite des Vorhabens mit deutlichen Worten: „Mit dieser Trasse realisieren wir das erste Schnellzugprojekt für den Personen- und Güterverkehr in den Norden unseres Landes überhaupt. Nach der vollständigen Fertigstellung werden wir jährlich rund 12 Millionen Passagiere und 14 Millionen Tonnen Fracht auf dieser Achse befördern.“ Für die anschließenden Abschnitte Corum–Merzifon sowie Merzifon–Havza wurden bereits im April die Ausschreibungsverfahren erfolgreich durchgeführt, während für das finale, 70 Kilometer lange Teilstück von Havza nach Samsun derzeit die Aufnahme in das staatliche Investitionsprogramm 2027 vorbereitet wird.

Visionäres Schienennetz entlang der gesamten Schwarzmeerküste

Das Schnellzugprojekt zwischen der Hauptstadt und Samsun markiert jedoch lediglich den Auftakt für ein noch umfassenderes Streckennetz im Norden der Türkei. Langfristig plant das Verkehrsministerium, die Hochgeschwindigkeitstrasse über Samsun hinaus entlang der gesamten Küstenlinie bis an die georgische Grenze auszubauen. Das gigantische Folgeprojekt Samsun–Sarp soll in Zukunft die Provinzen Ordu, Giresun, Trabzon, Rize und Artvin nahtlos miteinander verbinden und eine neue logistische Hauptschlagader für die gesamte Schwarzmeer-Region schaffen.

Foto: Pexels/Ömer Faruk Bener

Schienenoffensive und Nahverkehrsausbau in Trabzon

Parallel zu den überregionalen Magistralen investiert die türkische Regierung auch massiv in den Ausbau des städtischen Nahverkehrs der Küstenmetropolen. In Trabzon laufen bereits die Arbeiten an einem modernen Schienenverkehrssystem, für das vor rund zehn Tagen der offizielle Grundstein gelegt wurde. Minister Abdulkadir Uraloglu erklärte hierzu, dass nach der Fertigstellung täglich rund 150.000 Menschen das neue innerstädtische Verkehrssystem nutzen werden. Der Minister kündigte an, dass die Bauarbeiten Schritt für Schritt von Kirikkale über Corum und Havza bis nach Samsun und anschließend kontinuierlich weiter in Richtung Trabzon vorangetrieben werden.