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Im türkischen Marmarameer nimmt die Ausbreitung brauner und weißer Quallen seit Jahren besorgniserregend zu und entwickelt sich an den beliebtesten Küstenabschnitten der Region zu einer wachsenden Belastung. Besonders an den Stränden von Tekirdag, Istanbul, Canakkale und Balikesir treten die Nesseltiere mittlerweile in dichten Schwärmen auf und sorgen bei Urlaubern sowie der lokalen Bevölkerung zunehmend für Probleme beim Baden. Wie das Nachrichtenportal Hürriyet berichtet, schlägt der Meeresbiologe und Dozent an der Namik-Kemal-Universität in Tekirdag, Dr. Cetin Yagcilar, Alarm und erklärt die rasante Dynamik mit grundlegenden Veränderungen im maritimen Ökosystem. Sowohl die braunen Quallen, die in der Türkei als Kompassquallen bekannt sind, als auch die weißen Mondquallen haben im Binnenmeer ideale Lebensbedingungen vorgefunden. Ihre Populationen sind nach Einschätzung des Wissenschaftlers insbesondere in den vergangenen drei Jahren extrem stark gewachsen.

Klimawandel, Abwässer und Überfischung der Makrele als Auslöser

Nach wissenschaftlicher Analyse von Dr. Cetin Yagcilar sind primär drei Hauptfaktoren für die sprunghafte Vermehrung verantwortlich: Die stetige Erwärmung des Meerwassers infolge des globalen Klimawandels, der hohe Eintrag von Nährstoffen durch ungeklärte Haushalts- und Industrieabwässer sowie die massive Überfischung. Insbesondere Stickstoff und Phosphate wirken wie Dünger und beflügeln das Wachstum der Tiere. Zudem fehlen entscheidende natürliche Fressfeinde, da Raubfischarten wie die Makrele durch intensive Befischung stark dezimiert wurden. Dr. Cetin Yagcilar betonte die gefährliche Eigendynamik dieser Entwicklung eindringlich: „Dadurch kann das natürliche Gleichgewicht des gesamten Ökosystems nachhaltig gestört werden. Die Quallen sind bereits vor rund zehn bis 15 Jahren vermutlich durch das Ballastwasser von Handelsschiffen ins Marmarameer gelangt. Inzwischen finden sie hier Umweltbedingungen vor, unter denen sie sich nahezu ungehindert und massiv vermehren können.

Foto: Katarzyna Urbanek

Gesundheitsrisiken für Badegäste und Forderungen nach klarem Kursschwenk

Für Badegäste an den betroffenen Küsten birgt der direkte Kontakt mit den Nesseltieren schmerzhafte Konsequenzen. Berührungen lösen auf der Haut sofortiges Brennen, Rötungen und starken Juckreiz aus, wobei bei empfindlichen Personen oder Allergikern auch schwere Reaktionen auftreten können. Im Falle eines Kontakts raten Mediziner dringend dazu, die betroffenen Stellen ausschließlich mit Meerwasser abzuspülen und umgehend eine medizinische Einrichtung aufzusucht. Um die Ausbreitung wirksam einzudämmen, fordert Dr. Cetin Yagcilar ein schnelles Gegensteuern der Behörden: „Wir müssen die Überfischung räuberischer Fischarten wie der Makrele drastisch reduzieren, damit sich die Bestände erholen und ihre natürliche Rolle bei der Quallenkontrolle wieder wahrnehmen können. Da das Marmarameer ein geschlossenes Binnenmeer ist, verbleiben Schadstoffe extrem lange im System. Wir benötigen dringend leistungsfähigere Kläranlagen und strengste Kontrollen bei der Abwasserbehandlung, um den Eintrag von Stickstoff und Phosphor konsequent zu stoppen.