Mit dem Doğu Ekspresi nach Kars: Eine der außergewöhnlichsten Bahnreisen durch die Türkei
Einsteigen, das Smartphone für eine Weile vergessen und beobachten, wie sich vor dem Fenster fast ein ganzer Kontinent zu verändern scheint: Eine Reise mit dem Doğu Ekspresi von Ankara nach Kars gehört zu den ungewöhnlichsten Möglichkeiten, die Türkei kennenzulernen. Statt in wenigen Stunden von West nach Ost zu fliegen, führt die Bahnreise tief durch Anatolien – vorbei an Städten, Hochebenen, Flüssen, Schluchten und Gebirgslandschaften bis in den äußersten Nordosten des Landes.
Das eigentliche Ziel ist mindestens genauso interessant wie der Weg dorthin. Kars unterscheidet sich architektonisch, klimatisch und kulinarisch deutlich von den klassischen türkischen Urlaubszielen. Nur rund 42 Kilometer entfernt liegt mit Ani zudem eine mittelalterliche Ruinenstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört.
Besonders populär wurde die Route durch Bilder des verschneiten Anatoliens und des Turistik Doğu Ekspresi. Doch dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied, den Reisende kennen sollten: Der reguläre Doğu Ekspresi und der touristische Sonderzug sind nicht dasselbe.

Doğu Ekspresi oder Turistik Doğu Ekspresi – was ist der Unterschied?
Für die Reiseplanung ist diese Unterscheidung entscheidend. Der reguläre Doğu Ekspresi ist eine klassische Bahnverbindung. Daneben betreibt TCDD Taşımacılık in der Wintersaison den Turistik Doğu Ekspresi, der gezielt als Reiseerlebnis konzipiert wurde.
Der Touristenzug besitzt Schlafwagen und einen Speisewagen und legt unterwegs mehrstündige Stopps ein, damit Reisende einzelne Orte erkunden können. In der Saison 2025/26 bestand er aus acht Schlafwagen mit jeweils zehn Abteilen sowie einem Speisewagen. Ein Schlafabteil war für zwei Personen ausgelegt.
Auf der Fahrt Ankara–Kars gab es damals einen zweieinhalbstündigen Aufenthalt in Erzincan und vier Stunden in Erzurum. Auf der Gegenrichtung lagen längere Aufenthalte in İliç, Divriği und Sivas.
Dadurch dauerte die 1.360 Kilometer lange touristische Reise inklusive der Aufenthalte rund 32 Stunden.
Wichtig für die Reiseplanung 2026: Die Wintersaison 2025/26 begann am 22. Dezember 2025 und endete Anfang März 2026. Insgesamt wurden 60 Fahrten durchgeführt und 10.166 Passagiere befördert. Für eine künftige Wintersaison sollten Reisende ausschließlich nach Veröffentlichung des neuen Fahrplans buchen und Termine sowie Preise direkt bei TCDD Taşımacılık kontrollieren.

Warum die Bahnreise so besonders ist
Die Attraktion ist nicht nur der Zug. Entscheidend ist die enorme Veränderung der Landschaft.
Von Ankara führt die Strecke immer weiter in den anatolischen Osten. Großstadtlandschaft weicht weiten Ebenen, Flusstälern und Gebirgen. Je nach Jahreszeit dominieren Grün, Braun- und Goldtöne oder eine fast vollständig weiße Winterlandschaft.
Der Winter hat die Bahnstrecke in sozialen Medien berühmt gemacht. Verschneite Dörfer, weiße Hochplateaus und Berge wirken aus dem warmen Zugabteil besonders spektakulär.
Aber auch Frühling, Sommer und Herbst haben Vorteile. Die Tage sind länger, Ausflüge rund um Kars unkomplizierter und extreme Minustemperaturen kein Thema.
So funktioniert die Anreise aus Deutschland
Der sinnvollste Ausgangspunkt ist Ankara. Aus Deutschland bestehen je nach Abflughafen direkte oder umsteigefreie beziehungsweise via Istanbul angebotene Flugmöglichkeiten in die türkische Hauptstadt.
Eine komfortable Reise kann beispielsweise so aufgebaut werden:
- Tag 1: Flug Deutschland–Ankara und Übernachtung in Ankara
- Tag 2: Ankara erkunden und am Abend beziehungsweise entsprechend dem Fahrplan zum Bahnhof
- Tag 3: Fahrt durch Anatolien
- Tag 4: Ankunft in Kars
- Tag 5: UNESCO-Welterbe Ani
- Tag 6: Kars oder Çıldır-See
- Tag 7: Rückflug über Istanbul oder Ankara
Wer wenig Zeit hat, kann die klassische Kombination wählen: mit dem Zug nach Kars und mit dem Flugzeug zurück. So bleibt das Bahnerlebnis erhalten, ohne für die Rückfahrt erneut einen kompletten Reisetag einplanen zu müssen.
Tickets: Früh planen statt spontan hoffen
Gerade attraktive Schlaf- und Liegeplatzangebote können stark nachgefragt sein. Für den touristischen Sonderzug gilt das besonders. In der vergangenen Wintersaison wurden individuelle Tickets über die Verkaufskanäle von TCDD Taşımacılık angeboten; daneben existierten Reisepakete autorisierter Veranstalter.
Wer eine bestimmte Woche benötigt, sollte deshalb nicht zuerst Hotel und Flug verbindlich buchen und anschließend nach einem Zugticket suchen. Sinnvoller ist:
- Zugverfügbarkeit kontrollieren,
- Ticket sichern,
- anschließend Hotels und Anschlussflüge buchen.
Bei einer neuen Wintersaison können Fahrplan, Preise, Wagenkonfiguration und Verkaufsbeginn verändert werden. Ältere Blogbeiträge und Social-Media-Videos sind deshalb keine zuverlässige Preisquelle.
Was gehört ins Gepäck?
Für die lange Zugfahrt lohnt sich etwas Vorbereitung. Eine Powerbank, Kopfhörer, Wasser, Snacks, Feuchttücher und eine kleine Tasche mit den wichtigsten Dingen machen die Reise komfortabler.
Wer im Winter fährt, benötigt für Kars echte Winterkleidung. Die Höhenlage und das kontinentale Klima sind nicht mit Istanbul oder den türkischen Küstenregionen vergleichbar.
Sinnvoll sind:
- warme, rutschfeste Schuhe,
- Thermounterwäsche im Winter,
- Mütze und Handschuhe,
- Powerbank und Ladekabel,
- kleine Verpflegung für unterwegs,
- Kamera oder Smartphone mit ausreichend Speicherplatz.

Kars: Warum man nach der Zugfahrt nicht sofort zurückfliegen sollte
Ein häufiger Fehler wäre, Kars nur als Endstation des Zuges zu betrachten. Die Stadt verdient mindestens zwei volle Tage.
Ihre Architektur unterscheidet sich deutlich von vielen anderen türkischen Provinzstädten. In verschiedenen Straßenzügen finden sich massive Steinbauten aus der russischen Epoche des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen osmanische und ältere historische Spuren.
Zu den klassischen Stationen gehören die Kars-Burg, historische Steinbrücken, religiöse Bauwerke und die alten Straßenzüge im Zentrum.
Am besten funktioniert Kars zu Fuß. Statt möglichst viele Punkte abzuhaken, sollte man sich einige Stunden für die Architektur und die Cafés nehmen.
Ani: eine mittelalterliche Metropole an der heutigen Grenze
Der wichtigste Ausflug von Kars führt nach Ani. Die archäologische Stätte liegt rund 42 Kilometer von der Stadt entfernt auf einem abgelegenen Hochplateau unmittelbar an der heutigen Grenze zu Armenien.
Ani war im 10. und 11. Jahrhundert Hauptstadt des mittelalterlichen armenischen Königreichs der Bagratiden und profitierte von seiner Lage an einem Zweig der Seidenstraße. Später stand die Stadt unter anderem unter byzantinischer, seldschukischer und georgischer Herrschaft.
Heute stehen auf dem weitläufigen Gelände Überreste religiöser, militärischer und ziviler Architektur. Dazu gehören Stadtmauern, Kirchen, die Kathedrale, eine Moschee, Palast- und Brückenreste sowie weitere Bauwerke.
Seit 2016 gehört die archäologische Stätte von Ani zum UNESCO-Welterbe.
Für den Besuch sollte man mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Wer fotografiert oder sich intensiv für Geschichte interessiert, braucht länger.
Das Gelände ist weitläufig und weitgehend ungeschützt. Im Sommer sind Sonnenschutz und Wasser wichtig; im Winter können Wind, Schnee und Eis den Besuch deutlich anspruchsvoller machen.
Wie kommt man von Kars nach Ani?
Mit einem Mietwagen ist der Tagesausflug am flexibelsten. Alternativ werden in Kars organisierte Touren und Transfers angeboten. Je nach Saison können außerdem lokale Transportmöglichkeiten bestehen.
Bei einer organisierten Tour sollte geprüft werden, wie viel Zeit tatsächlich auf dem Gelände vorgesehen ist. Ein kurzer Fotostopp wird Ani nicht gerecht.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise können sich ändern und sollten am Reisetag über die offiziellen türkischen Museums- und Kulturkanäle geprüft werden.

Çıldır-See: besonders spektakulär im Winter
Wer einen zusätzlichen Tag besitzt, kann Kars mit dem Çıldır Gölü kombinieren. Der große See liegt nordöstlich von Kars im Grenzgebiet der Provinzen Kars und Ardahan.
Im Winter kann seine Oberfläche großflächig zufrieren. Genau diese Landschaft hat den See zu einem der bekanntesten Wintermotive Ostanatoliens gemacht.
Aktivitäten auf Eis sollten allerdings niemals allein aufgrund von Bildern anderer Besucher geplant werden. Ob eine Eisfläche sicher betreten werden kann, hängt von aktuellen Temperaturen, Eisdicke und örtlichen Freigaben ab.
Außerhalb des Winters ist Çıldır ein völlig anderes Reiseziel: weite Landschaft, Wasser, kleine Orte und deutlich weniger Besucher.
Sarıkamış: Skifahren zwischen Kiefern
Eine weitere Erweiterung der Reise ist Sarıkamış, rund 55 Kilometer von Kars entfernt. Das Skigebiet am Bayraktepe liegt inmitten von Kiefernwäldern.
Nach Angaben der regionalen Kultur- und Tourismusbehörde liegt das Skigebiet auf rund 2.500 Metern und verfügt über mehrere Pistenabschnitte. Unter normalen Winterbedingungen wird die geeignete Skisaison ungefähr von Dezember bis Anfang April angegeben.
Damit lässt sich eine ungewöhnliche Winterreise zusammenstellen: Zugfahrt durch Anatolien, Kars, Ani und anschließend einige Skitage in Sarıkamış.
Was sollte man in Kars essen?
Kars besitzt eine der charakteristischsten Regionalküchen im Osten der Türkei. Besonders bekannt ist die Region für Kars Kaşarı, den gereiften Käse, sowie Gravyer.
Ein weiterer Klassiker ist kaz eti, Gänsefleisch, das besonders mit der Winterküche der Region verbunden wird.
Typisch beziehungsweise empfehlenswert sind:
- Kars Kaşarı,
- Gravyer-Käse,
- Gänsegerichte,
- Hengel beziehungsweise regionale Teiggerichte,
- Honig aus der Region,
- lokales Frühstück mit verschiedenen Käsesorten.
Gerade beim Käsekauf lohnt sich der Vergleich verschiedener Produzenten. Wer größere Mengen nach Deutschland mitnehmen möchte, sollte zudem vorab die aktuellen Einfuhrbestimmungen für tierische Lebensmittel beachten.
Was kostet die Reise?
Eine pauschale Summe wäre unseriös, weil insbesondere Zug-, Flug- und Hotelpreise stark vom Reisetermin abhängen. Für die Planung ist eine Kostenstruktur sinnvoller.
| Posten | Preisfaktor |
|---|---|
| Flug Deutschland–Ankara | stark abhängig von Abflughafen und Buchungszeitpunkt |
| Doğu Ekspresi | Zugtyp und Sitz-/Schlafkategorie entscheidend |
| Hotel in Kars | Winterwochenenden meist stärker nachgefragt |
| Ani-Ausflug | Mietwagen, Taxi/Transfer oder Tour |
| Çıldır-Ausflug | Fahrzeug oder organisierte Tour sinnvoll |
| Rückflug Kars–Istanbul | Termin und Vorausbuchung entscheidend |
Spartipp: Wer hauptsächlich das Bahnerlebnis möchte, muss nicht zwingend den touristischen Sonderzug wählen. Die reguläre Verbindung kann die günstigere Alternative sein. Komfort, Wagenangebot und aktuelle Fahrzeiten sollten jedoch vor der Buchung kontrolliert werden.

Wann ist die beste Reisezeit?
Dezember bis Februar: die berühmte Winterkulisse
Das ist die fotografisch spektakulärste, aber auch anspruchsvollste Reisezeit. Schnee verwandelt Ostanatolien, gleichzeitig können Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen.
Mai und Juni: unterschätzte Alternative
Wer Landschaft und Kultur erleben möchte, ohne extreme Kälte, findet im späten Frühjahr eine interessante Alternative. Die Tage sind lang und Ausflüge unkomplizierter.
September und Oktober: Roadtrip-Zeit
Der Herbst eignet sich gut, wenn Kars Teil einer größeren Ostanatolienreise werden soll. Die Landschaft verändert ihre Farben und der große Winteransturm hat noch nicht begonnen.
Die ideale Reise: Zug hin, Flug zurück
Für Reisende aus Deutschland ist folgende Kombination besonders effizient:
Deutschland → Ankara → Doğu Ekspresi → Kars → Ani → Çıldır oder Sarıkamış → Flug Kars–Istanbul → Deutschland.
Damit kombiniert man Bahnreise, Kultur, Landschaft und regionale Küche, ohne die lange Bahnstrecke zweimal fahren zu müssen.
Wer mehr Zeit besitzt, kann anschließend sogar Richtung Erzurum weiterreisen oder einen größeren Ostanatolien-Roadtrip planen.

Fünf Fehler, die man vermeiden sollte
- Touristenzug und regulären Doğu Ekspresi verwechseln: Fahrplan und Ausstattung unterscheiden sich.
- Zugticket zuletzt buchen: begehrte Kategorien können schnell knapp werden.
- Nur eine Nacht in Kars bleiben: für Ani und die Stadt ist das zu wenig.
- Wintertemperaturen unterschätzen: Kars verlangt echte Winterausrüstung.
- Alte Preise übernehmen: Tickets, Hotels und Eintrittskosten immer für den konkreten Reisetermin prüfen.
FAQ zum Doğu Ekspresi und Kars
Fährt der Turistik Doğu Ekspresi im August 2026?
Nein. Die touristische Verbindung ist ein saisonales Angebot. Die Saison 2025/26 endete am 3. März 2026. Für die nächste Wintersaison sollten die offiziellen Bekanntmachungen von TCDD Taşımacılık beziehungsweise dem Verkehrsministerium geprüft werden.
Sind Doğu Ekspresi und Turistik Doğu Ekspresi dasselbe?
Nein. Der touristische Zug ist speziell auf Reisende ausgerichtet und beinhaltet längere touristische Aufenthalte unterwegs. Daneben existiert die reguläre Bahnverbindung.
Wie lange sollte man für Kars einplanen?
Mindestens zwei volle Tage nach der Zugfahrt. Mit Ani und Çıldır oder Sarıkamış sind drei bis vier Tage wesentlich entspannter.
Ist Ani wirklich UNESCO-Welterbe?
Ja. Die archäologische Stätte von Ani wurde 2016 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Kann man von Kars zurückfliegen?
Ja. Kars verfügt über einen Flughafen mit innertürkischen Verbindungen, sodass sich insbesondere die Kombination Zug hin und Flug zurück anbietet.
Lohnt sich die Strecke auch ohne Schnee?
Ja. Der Winter liefert die berühmtesten Bilder, Frühling und Herbst bieten aber längere Tage und erleichtern Ausflüge in der Region.
Ist die Reise für Familien geeignet?
Grundsätzlich ja, allerdings sollte bedacht werden, dass die Bahnfahrt sehr lang ist. Mit kleineren Kindern hängt die Eignung stark davon ab, wie gut sie längere Zugreisen vertragen.
Eine Türkei-Reise, bei der schon der Weg das Ziel ist
Der Doğu Ekspresi ist das Gegenteil eines schnellen Transfers. Genau darin liegt sein Reiz. Statt Anatolien in Flughöhe zu überspringen, erlebt man über viele Stunden, wie sich Landschaft, Klima und Architektur verändern.
Mit Kars endet die Reise außerdem nicht am Bahnhof. Die ungewöhnliche Stadtarchitektur, regionale Küche, das UNESCO-Welterbe Ani und Ziele wie der Çıldır-See oder Sarıkamış machen aus der Zugfahrt eine komplette Reise.
Wer die Türkei bisher hauptsächlich mit Istanbul, der Ägäis oder der Mittelmeerküste verbindet, entdeckt hier ein anderes Land im selben Land – und wahrscheinlich eine der wenigen Reisen, bei denen man am Ende bedauert, dass ein Zug überhaupt ankommen muss.
